Research I Forex

weitere Kolumnen & Analysen

Anzeigen

Halvers Woche: "Der Währungsmarkt - Schlaf in himmlischer Ruh?"

Börse Frankfurt - Forex - 10.11.2017 - Interactive Chart: FX:EURUSD

10. November 2017. MÜNCHEN (Baader Bank). Es gab eine Zeit, da war der US-Dollar noch eine wahre Leitwährung. Gegenüber DM oder Yen war er so stark wie Herkules. Wegen der Wirtschaftspolitik Ronald Reagans - massive staatliche Ausgabenprogramme und Steuersenkungen, die auf Pump finanziert waren - stand der US-Dollar zur DM am 25. Februar 1985, umgerechnet in Euro, bei 0,5669! Heute steht er bei knapp 1,16. Zwischen Ende 1979 und Anfang 1985 wertete der US-Dollar 51 Prozent auf und machte so aus Amerika ein Sommerschlussverkauf-ähnliches Exportparadies für z.B. deutsche Autos.

Die Welt produzierte und Amerika konsumierte

Damals hatte der starke US-Dollar Deutschland aus dem langen Ölkrisen-bedingten Dämmerschlaf wach geküsst wie der Prinz das Dornröschen. Denn der reißende Export ließ auch die Binnenkonjunktur schließlich aufgehen wie Hefekuchen mit Hilfe von Dr. Oetkers Backpulver.

Die Segnungen der Dollar-Stärke sorgten ebenso für Big in Japan. Im Land der aufgehenden Sonne strahlten die Exportlegenden Toyota, Sony oder Toshiba wie die Flutlichtanlagen in Sportarenen. Damals hing in allen Vorstandsetagen das Konterfei Reagans als Heiligenikone an der Wand.

Die Segnungen der Dollar-Stärke sorgten ebenso für Big in Japan. Im Land der aufgehenden Sonne strahlten die Exportlegenden Toyota, Sony oder Toshiba wie die Flutlichtanlagen in Sportarenen. Damals hing in allen Vorstandsetagen das Konterfei Reagans als Heiligenikone an der Wand.
"Die Segnungen der Dollar-Stärke."

Nicht zuletzt hatte der starke Dollar den Politikern der Exportländer viel wirtschaftspolitische Drecksarbeit abgenommen. Selbst ohne eigene Anstrengungen konnte ein sagenhafter Wirtschaftsaufschwung nicht verhindert werden.

Auch Amerika ist sich selbst der Nächste

Diese weltwirtschaftsdemütige Dollar-starke Haltung können und wollen sich die Trump-USA nicht mehr leisten. Amerika ist bis über beide Ohren verschuldet. Der Kredithebel ist also weniger wirksam. Uncle Sam kann nicht mehr die weltweiten Regale leerkaufen, sondern muss selbst etwas verkaufen. Man will heraus aus den kolossalen Handelsbilanzdefiziten gegenüber Deutschland, Japan oder China. Amerikanische Zahnpasta, Windeln, Turnschuhe und sogar all der Social Media-Schnick Schnack reichen dazu offensichtlich nicht aus.

Dazu müssen die USA zunächst ihre Standortqualitäten verbessern, damit eigene Unternehmen wieder mehr in der Heimat produzieren und ausländische Hersteller mit Amerika fremdgehen. Auf dieses Ziel ist u.a. eine Senkung der Unternehmenssteuern abgestellt. Allerdings muss man dann auch noch vernünftige Güter zu verkaufen haben. Hier scheinen z.B. amerikanische Autos die Verbraucher in Übersee nicht hinter dem Ofen hervorzulocken. Da hilft dem Präsidenten Trump auch kein Handelsprotektionismus. Dieser sorgt nicht für Qualitätsverbesserung von US-Produkten. Tatsächlich ist Amerika industrietechnisch im Vergleich zu den bislang führenden Giganten Deutschland und Japan vielfach nur zweitklassig.

Aber, mit der Digitalisierung haben die USA tatsächlich eine vielversprechende Wirtschaftsvision gefunden, wieder "First" zu sein. Die Apples, Googles usw. können zukünftig jede Menge Wertschöpfung in vielen technischen und Industriebereichen entfalten und uns und den Japanern zusetzen.

Die Fed - Dein Freund und Export-Helfer

Diese vielversprechenden Perspektiven soll ein stark aufwertender Dollar bloß nicht kaputtmachen. Ohnehin nimmt der internationale Konkurrenzdruck zu. Die Weltkonjunkturtorte präsentiert sich nicht mehr wie früher wie eine alle satt machende Sahne-, sondern als weniger kalorienreicher Rührkuchen. Und so hat Amerika für sich das Dollar-Dumping entdeckt. Washington ist in den Währungsabwertungswettlauf eingetreten. Damit kann der handelspolitische Balkonnörgler Trump dem exportüberschüssigen Deutschland, Japan und China alternativ das Leben schwer machen.

Und wer drückt den US-Dollar? Die Drückerkolonnen der Fed natürlich! Attestieren Sie der Fed bitte nicht zu viel geldpolitisches Stabilitätsgedankengut. Mit der Deutschen Bundesbank hat sie so viel gemein wie eine Couch Potatoe mit Triathlon. Die US-Notenbank sieht sich ganz klar in der Verantwortung, auch dem amerikanischen Außenhandel das Füßchen zu kraulen.

Überhaupt, mit dem neuen Fed-Präsidenten Jerome Powell muss niemand Angst vor scharfen Zinserhöhungen in Amerika, damit einem starken Dollar und schließlich einem schwachen amerikanischen Export haben. Als ehemaliger Investmentbanker ist er ein natürlicher, ein im Fell gefärbter Feind steigender Zinsen. Der Fuchs wird nicht zum Vegetarier, nur weil er sein Revier wechselt.

Alle Notenbanken sind egoistische Währungs-Dumper

Wenn also Amerika Dollar-Schwäche betreibt, werden Europa und Japan den Teufel tun, mit restriktiver Geldpolitik die eigene Währung zu stärken. Insofern betreibt die EZB noch nicht einmal leichte, sozusagen geruchsarme Entblähungen ihrer bis zum Bersten mit Anleihen gefüllten Notenbankbilanz. Im Gegenteil, zunächst werden sogar weitere 270 Milliarden Liquidität in die Euro-Finanzmärkte gepumpt. Schwache Anleiherenditen sollen wie "Hau ab-Spray" Euro-aufwertende Zuflüsse in den Euroraum verhindern. In diesem Zusammenhang ist auch noch lange nicht an Leitzinserhöhungen zu denken. Wenn die Fed egoistisch ist, wird Mario Draghi nicht Sankt Martin spielen und den europäischen Export-Rock teilen.

Aber auch zwischen den klassischen Exportländern tobt der Währungsabwertungskrieg. Mit freizügiger Geldpolitik kämpft Draghi auch gegen die Aufwertung des Euros zur Exportkonkurrenzwährung Yen. Im Moment betreibt die Bank of Japan die hemmungsloseste Währungsabwertung aller Notenbanken. Diese Offensive will Japan so lange fortsetzen, bis die Inflation in Japan stabil über zwei Prozent liegt. Und da in Japan die Inflationsdaten schamlos geschönt sind, wird dieser Zeitpunkt wohl erst dann kommen, wenn Japan "reisfrei" ist.

Wenn jedes Exportland versucht, seine eigene Währung zu schwächen, wird jedoch keine Währung deutlich auf- bzw. abwerten. Denn Währungen handeln ja immer X gegen Y. Einen Vorteil hat dies auf jeden Fall. Wenn die Schwankungen der Währungen untereinander zurückgehen, nehmen ebenso die Währungsrisiken für deutsche Anlagen in ausländischen Wertpapieren ab.

Die Unterschiede zwischen Stark- und Schwachwährungen haben sich auf Dauer deutlich verringert. Währungen sind ein Stück langweiliger geworden, wenn auch nicht so langweilig wie die 100. Wiederholung der Sissi-Spielfilme an Weihnachten.

10. November 2017, © Baader Bank AG

Über den Autor
Robert Halver ist Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank und Halvers Woche Bestandteil des wöchentlichen Kapitalmarktmonitors.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

Marktticker

Quotes by TradingView

Research

weitere Kolumnen & Analysen

Anzeigen

Auslandsaktien: Vorweihnachtliche Bescherung im Einzelhandel

Börse Frankfurt - Indizes - 23.11.2017
23. November 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Mit dem heutigen Erntedankfest beginnt in den USA für viele die heiße Phase der Weihnachtseinkäufe. Zwar bleiben die Geschäfte am für Amerikaner bedeutenden Feiertag größtenteils geschlossen. "Der Online-Handel lockt dennoch mit massiven Sonderangeboten", bemerkt Walter Vorhauser. Das spüle viel Geld in die Bücher von Plattformen wie Amazon (WKN 906866) und Ebay (WKN 916529). ... mehr

Grüner Fisher: "Will denn keiner mehr regieren?"

Börse Frankfurt - Indizes - 23.11.2017
23. November FRANKFURT (Grüner Fisher). Das politische Kasperletheater im Börsenjahr 2017 findet eine unrühmliche Fortsetzung. Nach zähen Sondierungen bricht die FDP die Verhandlungen ab, das Jamaika-Bündnis steht vor dem Aus. Bundespräsident Steinmeier appelliert an die Parteien, eine schnelle Einigung zur Regierungsbildung zu erzielen, doch das politische Durcheinander im Anschluss an die Bundestagswahlen ist größer denn je. ... mehr

DAX verschiebt Entscheidung – Wall Street feiert Thanksgiving

CMC Markets - Marktberichte - 23.11.2017
Für den großen Wurf fehlte heute sowohl für die Bären wie auch für die Bullen das notwendige Handelsvolumen. Getreu dem Motto „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ hat man sich am deutschen Aktienmarkt zunächst dazu entschlossen, die Entwicklungen auf die lange Bank zu schieben. Der DAX konnte zumindest die Marke von 13.000 Punkten im Tagesverlauf zurückerobern. ... mehr

Bitcoin und DAX 30 Market Update: Bundesbank-Vorstand: Bitcoin ist kein Geld

DailyFX - Marktberichte - Kryptowährungen - 23.11.2017
„Bitcoin ist kein Geld, sondern ein Spekulationsobjekt“, so Bundesbank- Vorstand Carl- Ludwig Thiele gegenüber dem ifo- Schnelldienst. Thiele und Co- Autor Diehl von der Bundesbank ergänzen: „Sie sind frei erfunden und vermehren sich nach einem festgesetzten Schema in virtuellen Systemen, die formal durch Mehrheitsentscheidung der Nutzer, faktisch aber nach dem Belieben einer kleinen Gruppe geändert werden können“. „Mangels Wertbasis ist der Preis für Bitcoin praktisch beliebig bis hin zum Totalverlust.“ ... mehr

Markt für Kryptowährungen übertrifft 250-Milliarden-US-Dollar-Marke

etoro Research - Trading Business - Kryptowährungen - 23.11.2017
Mati Greenspan, Senior Market Analyst bei der Social-Trading-Plattform eToro, kommentiert das neue Rekord-Marktvolumen aller Kryptowährungen: Zwei Wochen sind vergangen, seit die SegWit2x-Hard-Fork abgesagt wurde. Seitdem hat der Markt für Kryptowährungen eine erstaunliche Richtung genommen. Fast täglich scheint eine andere Kryptowährung monströse Zugewinne zu erzielen. Jetzt hat der Gesamtwert aller digitalen Assets weltweit erstmals die Marke von 250 Milliarden US-Dollar übertroffen. ... mehr

Euwax Trends: Boom in deutscher Industrie - Euro gewinnt an Wert – DAX im Minus

Börse Stuttgart - Marktberichte - 23.11.2017
Der Markit-Einkaufsmanagerindex für die deutsche Industrie ist im November nach vorläufigen Angaben um 1,9 auf 62,5 Punkte gestiegen. Dies teilte das Institut nach seiner Umfrage unter rund 800 Firmen mit. Ab einem Stand von fünfzig Zählern wird Wachstum signalisiert. Markit-Experte Phil Smith sagte dazu: “Der deutschen Wirtschaft geht es prächtig”, und fügte hinzu: “Die Industrie verzeichnet momentan sogar den stärksten Boom seit über zwei Jahrzehnten.” ... mehr

Baader Bond Markets: Draghi macht Druck wegen fauler Kredite

K. Stopp I Baader Markets - Bonds - 23.11.2017
Endlich macht Mario Draghi Druck auf europäische Banken, die einen Haufen Problemkredite in ihren Bilanzen mit sich herumschleppen. Seit kurzem nimmt der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) nun jede Gelegenheit wahr, die Reduzierung fauler Kredite anzumahnen. Denn Draghi weiß genau, dass deren Abbau Voraussetzung für die Einführung einer gemeinsamen Einlagensicherung in Europa ist – einem wichtigen, großen Baustein einer europäischen Bankenunion. ... mehr

DAX stolpert über stärkeren Euro – 1,19 US-Dollar im Blick

CMC Markets - Marktberichte - 23.11.2017
Der Euro bereitet den Anlegern am deutschen Aktienmarkt Bauchschmerzen. Daraus kann sich eine echte Kolik entwickeln, wenn die Gemeinschaftswährung ihre Stärke beibehält und die Verkäufer, die in der vergangenen Woche noch zur Stelle waren, dieses Mal dem Markt fernbleiben. Wer verstehen will, warum der DAX gestern so dynamisch nach unten lief, muss nur darauf schauen, wie sich der Euro gegenüber dem Dollar zeitgleich entwickelte. ... mehr

Marktkommentar: "Wirtschaft wächst auch im politischen Vakuum"

TARGOBANK - Marktberichte - 23.11.2017
23. November 2017, Düsseldorf - In Deutschland droht ein politisches Vakuum – und das vielleicht für eine längere Zeit. Andere Länder kennen diese Situation bereits: 209 Tage brauchte es in den Niederlanden nach der Wahl, bis die neue Regierung stand. In Spanien 315 Tage und in Belgien sogar 541 Tage. Betrachtet man – in einem natürlich verengten Blick – ausschließlich die Entwicklung der Wirtschaft und der Börsen, dann ist ein solches Vakuum gar nicht so schlecht. ... mehr

Tagesausblick Aktien: DAX scheitert an der 21-Tagelinie, 13.000er Marke wieder in Gefahr

Helaba Floor Research - Indizes - 23.11.2017
Der gestrige Handelstag kann getrost als impuls- und lustlos beschrieben werden. Einmal mehr wurde dadurch deutlich, in welcher Abhängigkeit der hiesige Markt von der Wall Street als Leitbörse ist. An der NYSE machte sich am Mittwoch bereits der auf den heutigen Tag entfallende „Thanksgiving-Feiertag“ anhand unterdurchschnittlicher Handelsumsätze bemerkbar. Darüber hinaus hatte sich der anziehende Euro als Bremsfaktor erwiesen. ... mehr

Tagesausblick Renten/Devisen: Eurozone: Wachstumsperspektive bestätigt

Helaba Floor Research - Forex - 23.11.2017
Heute feiern die USA Thanksgiving. Für die Finanzmärkte gibt es dennoch zahlreiche Einflussfaktoren, denn der Datenkalender ist gut gefüllt. Neben den Detailschätzungen zum BIP-Wachstum in Deutschland und Großbritannien sind die Einkaufsmanagerindizes von Bedeutung. In Deutschland, Frankreich und der Eurozone stehen die vorläufigen Werte des Verarbeitenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors zur Veröffentlichung an. Die Vorgaben vonseiten der sentix- und ZEW-Umfragen sind freundlich. ... mehr

Bund Future - Erwartete Trading Range: 162.50 -163.63

Helaba Floor Research - Bonds - 23.11.2017
Ein Interview von EZB Direktor Benoit Coeuré im Handelsblatt versetzte die Bondmärkte zur Wochenmitte in Aufregung. Der Franzose äußerte die Hoffnung, die im Oktober beschlossene Verlängerung der Anleihekäufe könne die letzte gewesen sein. Außerdem erwarte er, dass die Steuerung von Zinserwartungen wichtiger werde und die Verknüpfung von Anleihekäufen mit dem Inflationsziel von 2 % schon bald entfallen werde. ... mehr

DAX: Abruptes Ende der Gegenbewegung

IG Markets Research - Marktberichte - 23.11.2017
23.11.2017 – 07:45 Uhr (Werbemitteilung): Nach den Kurssteigerungen am Montag und Dienstag sah es nach einem gelungenen Wochenauftakt aus. Doch die Ernüchterung folgte prompt am gestrigen Handelstag. Plötzlich waren die Sorgen um die politische Stabilität in Deutschland auf die Börsenbühne zurückgekehrt. Aber auch der steigende Euro macht den Anlegern derzeit einen Strich durch die Rechnung. Vorbörslich sehen wir den DAX bei 12.976 Punkten und somit zuerst wieder unterhalb der „runden“ Zahl bei 13.000 Punkten. ... mehr

PM: Trading ohne Spread mit Admiral Markets

Admiral Markets - Trading Business - 23.11.2017
Berlin, 23. November 2017 - Ein Wechsel zum beliebten Forex- und CFD-Broker Admiral Markets lohnt sich derzeit doppelt, denn für die Zeit des „Kennenlernens“ schenkt der Broker seinen Kunden für bis zu 40 Tagen den Spread auf bis zu drei Handelsinstrumente. Doch wie bei Admiral Markets üblich, können sich auch die Bestandskunden freuen, denn für sie gilt das Angebot ebenfalls. ... mehr

Marktstimmung: "Eine Erholung ist nicht genug"

Börse Frankfurt - Indizes - Analysen - 22.11.2017
22. November 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Politische Börsen hätten kurze Beine, lautet eine bekannte Börsen-Binsenweisheit. Und dieser Spruch hat sich zum Wochenanfang wieder einmal bewahrheitet, als die Sondierungsgespräche für eine Jamaica-Koalition geplatzt waren. Seither nehmen die Diskussionen um die politische Situation in Deutschland kein Ende. Denn die Optionen, wie es hierzulande in Sachen Regierungsbildung weitergehen soll, sind zwar übersichtlich, aber durchaus mit Unsicherheit und Risiken verbunden. ... mehr

Anzeigen