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Der professionelle Handel von Rohstoffen

Grundlagen Commodities

[Traders' Mag] - Futures und Rohstoffe zu handeln kann schwierig sein. Viele aktive Trader beschränken sich auf eine handvoll Futures-Märkte. Sie konzentrieren sich weitgehend auf die Aktien- und Anleihenmärkte. Zwar sind diese Märkte alle spannend zu handeln, aber der mögliche Gewinn ist in den letzten drei bis vier Jahren beträchtlich zurückgegangen. Das hat zu einer Renaissance für die Rohstoffe geführt. Immer mehr aktive Trader versuchen, die traditionellen Rohstoffe zu handeln.

Traditionelle Rohstoffe reichen von Sojabohnen über Öl und Kupfer bis zu Zucker. Es gibt insgesamt 41 Rohstoffe und Futures-Märkte, die liquide genug für den aktiven Handel sind. Allein im letzten Jahr ist der Reuters CRB Futures Price Index um insgesamt 23,68 Prozent gestiegen. Einzelne Rohstoffsektoren haben sogar noch besser abgeschnitten.
Der Energiesektor ist gegenüber dem Vorjahr um 118,57 Prozent gestiegen, der Edelmetallsektor um 33,63 Prozent. Der Sektor der Soft-Commodities, zu dem Zucker gehört, zeigte einen Anstieg um 78,01 Prozent. Bei solchen Gewinnen ist es kein Wunder, dass aktive Trader sich zu den traditionellen Rohstoffmärkten hingezogen fühlen.

Auf drei Gebieten versagen neue Trader im Rohstoffgeschäft allerdings. Erstens begreifen sie die Auswirkungen des Hebels nicht, mit dem sie handeln; zweitens verstehen sie die volle Bedeutung fundamentaler Analyse im Rohstoffhandel nicht. Und schließlich verstehen sie nicht, wer die Rohstoffmärkte wirklich bewegt.
In diesem Artikel legen wir unser Hauptaugenmerk darauf zu verstehen, wer die verschiedenen Rohstoffmärkte bewegt und was ihre Absichten sind. Durch die Offenlegung der wirklichen Rohstoffspieler erhalten Sie ein Beispiel zum Nachahmen. Es wird auch Licht auf die anderen beiden Schwachpunkte geworfen: Fundamentalanalyse und Hebelwirkung.

Dieser Artikel besteht aus drei Teilen. Der erste Teil, „Die Spieler“, legt offen, wie die Regierung der USA die drei Hauptgruppen von Händlern und ihre Rollen einteilt. Der zweite Teil, „Die Ausgangslage“, beschreibt, wie „die Spieler“ mit dem Markt interagieren. Der dritte Teil, „Die Aktion“, zeigt auf, worauf aktive Trader bei der technischen Analyse achten müssen, und wir werden uns einige Muster-Charts
ansehen. Zum Schluss setzen wir diese drei Komponenten zusammen.

Die Spieler

Die Regierung der USA überwacht den gesamten Futures- und Rohstoffhandel. Mit der Überwachung wurde die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) beauftragt. Obwohl der Futures- und Rohstoffhandel in den USA seit über 150 Jahren existiert, wurde die CFTC erst 1974 gegründet. Ihre Hauptaufgabe ist die Regulierung des Rohstoffmarktes, indem sie die beiden wichtigsten Funktionen sicherstellt:
Risikoausgleich und Preisfindung. Für die Durchführung dieser Aufgabe sammelt man permanent Informationen darüber, wer welche Kontrakte handelt und in welchem Umfang. Weil die CFTC eine Regierungsbehörde ist, dient das Datensammeln der Schaffung von Transparenz in den Märkten. Das wird durch ihren wöchentlichen Commitment of Traders (COT)genannten Bericht bewirkt. Der COT-Bericht wird wöchentlich veröffentlicht.
Es gibt von ihm eine Kurz- und eine Langfassung. Beide Formate sollen das Offene Interesse (Open Interest) in jedem Rohstoff reflektieren.
Die Kernaussagen beider Versionen setzen sich wie folgt zusammen.

Erstens identifizieren sie die Spieler, Hedger (commercials), große
Spekulanten (non-commercials) und kleine Spekulanten (nicht berichtspflichtig). Zweitens führen sie die genaue Anzahl an Longund Short-Positionen auf, die die Hedger, die großen und die kleinen
Spekulanten während der vergangenen Woche gehalten haben.
Ebenso werden eventuelle Spread-Positionen der Hedger aufgeführt.
Weil man ein sehr kleiner Spekulant ist, weiß man im Grund schon,
wozu man zählt. Wir wollen uns also einmal anhören, was die CFTC über die beiden anderen beteiligten Rohstoffspieler, die Hedger und großen Spekulanten, sagt.

Hedger (commercials) werden von der CFTC in folgender Weise definiert:

Alle für einen Rohstoff gemeldeten Futures-Positionen eines Händlers werden als „Commercial“ eingestuft, wenn der Händler Futures-Kontrakte in diesem Rohstoff zum Hedgen gem. Definition in den Regeln der Behörde (1.3(z)) verwendet.
Ein Handelsunternehmen wird generell durch das Einreichen einer Erklärung auf CFTC-Formblatt 40 als
„Commercial“ eingestuft, die besagt,dass das Unternehmen „kommerziell" Handelsaktivitäten betreibt, die auf den Futures- und Optionsmärkten abgesichert werden.“

Große Spekulanten (non-commercials) werden von der CFTC wie folgt definiert:

Futures- und Optionspositionen von (non-hedging) Händlern, die Positionen halten, die vom Umfang her der Berichtspflicht an die Regulierungsbehörde CFTC unterliegen. Wenn ein berichtendes Unternehmen einen Händler mit einer Position auf oder über der Berichtsschwelle für irgendeinen einzelnen Futures-Monat oder Optionsverfall hat, wird die gesamte
Position dieses Händlers in allen Futures- und Optionsverfallmonaten dieses Rohstoffes gleich welcher Größe gemeldet.

Hedger und große Spekulanten machen je nach Markt 70 bis 90 Prozent aller Positionen in den einzelnen Märkten aus. Hedger wiederum stellen die Mehrheit dieser 70 bis 90 Prozent. Als Kleinspekulanten (nicht berichtspflichtig) liegt es nahe, dass wir mit 10 bis 30 Prozent Marktanteil den Hedgers und großen Spekulanten völlig ausgeliefert sind. Weil dies der Fall ist, muss man sich genau ansehen, wie die Hedger den Markt sehen. Dann muss man sich Mühe geben, ihre Herangehensweise nachzuahmen oder sich ihr anzupassen.

Die Ausgangslage

Hedger nutzen den Futures-Markt, um Risiko auszubalancieren. Entweder besitzen sie die physische Ware oder werden die physische Ware zu einem Zeitpunkt in naher Zukunft besitzen. Sie betrachten die Futures- und Rohstoffmärkte als eine Art Versicherung zur Stabilisierung ihres Geschäftsergebnisses für ihre Aktionäre. Die Finanzabteilung der Hedger weiß von Anfang an, zu welchen Preisen sie bereit ist, ihre Produkte zu kaufen oder zu verkaufen. Mit Hilfe der Futures-Märkte
verändern sie ihre Positionen fortlaufend auf der Suche nach einem Durchschnittspreis zur Absicherung ihrer Bestände in den Büchern.

Dieses ständige Hin und Her der Hedger zwischen Kaufen und Verkaufen lässt klare Kanäle aus Unterstützung und Widerstand entstehen. Diese Linien reflektieren eindeutig, was der Markt bereit ist zu ertragen. Mehr als 80 Prozent der Zeit verbringt ein Rohstoffmarkt in Seitwärtsbewegungen, in diesen Kanälen zwischen Unterstützung und Widerstand. Jeder Ausbruch unter oder über diese Linien stellt eine fundamentale Verlagerung bei Angebot oder Nachfrage des Rohstoffes dar. Kleine und große Spekulanten sind zwar in der Lage, Schwung in diese Verlagerungen zu bringen, aber es ist ihnen nicht möglich, sie auszulösen.

Große und kleine Spekulanten sind allein daran interessiert, von „Preisentdeckungen“ zu profitieren. Man versucht permanent herauszufinden, in welche Richtung der Markt geht. Wenn das einmal bestimmt wurde, handelt es sich darum, sich an den Lauf anzuhängen. Das ist definitiv schwieriger, als es sich anhört.

Wie bei jeder Versicherung muss ein Kapitalstock vorhanden sein, aus dem bezahlt wird, wenn ein Schaden auftritt. Weil Spekulanten nichts von den Rohstoffen besitzen, die sie handeln, gilt für sie ein völlig anderes Regelwerk als für Hedger. Der wichtigste Unterschied liegt im Kapital, das erforderlich ist, um einen Rohstoff-Trade einzugehen.

Im Durchschnitt müssen Spekulanten drei bis vier Mal so viel Kapital wie Hedger aufbringen, um eine exakt gleich große Position zu halten. Das bedeutet, dass ein Hedger für jeden von einem Spekulanten gehaltenen Kontrakt vier handeln kann, um sich im Markt abzusichern. Das ist ein gewaltiger Vorteil für Hedger.

Halten Sie sich vor Augen, dass Futures ein Nullsummenmarkt sind: das Geld von Ihrem Konto geht in Echtzeit auf ein anderes Konto, meist das eines Hedgers. Sie, der Spekulant, stellen den gesamten Kapital- Pool bereit, der die Hedger im Geschäft hält. Sie, der Spekulant, sind derjenige, der dem Markt die Liquidität gibt. Sie, der Spekulant, sind das Kanonenfutter des Handels. Die Hedger sind die schwergewichtigen Gorillas im Raum. Aber es besteht Hoffnung.

Die Aktion

„Das Glück bevorzugt den, der vorbereitet ist.“ Louis Pasteur. Rekapitulieren wir. Wir wissen, wer die Spieler sind: Hedger, große Spekulanten und kleine Spekulanten. Hedger dominieren den Markt hinsichtlich des Volumens. Teilweise dominieren sie, weil die für sie geltenden Margin-Anforderungen niedriger als die für Spekulanten sind. Hedger müssen zwei Ziele gleichzeitig erreichen. Sie müssen sicherstellen, dass sie in ihren Cash-Positionen kein Geld verlieren, und sie müssen sicherstellen, dass sie optimale Preise im Futures- und Rohstoffmarkt erzielen, um Hedging gegenüber ihren Finanzabteilungen zu rechtfertigen.

Wir verstehen auch, dass ihr Bedarf an optimalen Preisen dazu führt, dass der Markt sich in 80 Prozent der Zeit seitwärts bewegt, und dass Preisveränderungen nur in Zeiten entstehen, in denen sich
Angebot und Nachfrage grundlegend verändert haben.

In Bild 1 sehen wir ein schönes Beispiel dafür, wie die Unterstützungs- und Widerstandskanäle im Silbermarkt gewirkt haben. Wir sehen die Widerstandslinie 1 bei etwa 6,90. Der Markt versuchte fünfmal in vier Monaten, über die Spitze bei 6,90 auszubrechen und schaffte es erst beim fünften Mal. Die Basis für diesen Unterstützungs- und
Widerstandskanal lag an zwei Stellen, etwas bei 6,60 und tiefer bei
6,20. Auf demselben Chart sehen wir den Anfang einer zweiten Widerstandslinie bei 7,40.

In Bild 2 hat diese potenzielle Widerstandslinie das Aufwärtsmomentum
einige Monate lang, von Oktober bis Dezember, gestoppt, bevor der Aufwärtstrend weiterging. Interessant ist, wie schnell die vorherige Widerstandslinie bei 6,90 zur Unterstützung wurde.

Es leuchtet ein, dass, wenn die Hedger den Markt dominieren, sie
gemäß Bild 1 und 2 in der Lage waren, Angebot und Nachfrage für
ihren Rohstoff (hier Silber) durchzusetzen und ihre Cash-Positionen
so einzurichten, dass sie den Preisfluktuationen im Markt in geeigneter Weise ausgesetzt waren und gleichzeitig ihre Finanzabteilungen zufrieden gestellt haben. Da für die Preisentdeckung so viel Zeit zur Verfügung stand, einmal vier Monate und einmal zwei Monate, konnten sie die meisten Problemchen am Markt gut aussitzen.

Für einen Trader gibt es zwei Möglichkeiten, diese Kanäle zu handeln. Die erste Gelegenheit ist durch Beobachtung, wann der Kanal entsteht. Wenn man versucht hätte, den Markt an der Widerstandslinie 2 in Bild 1, $7,40 zu shorten, wäre man in Bild 2 mit dem Abstieg in den $7,00-Bereich belohnt worden. Wenn man einen zweiten Short-Versuch im Kanal am Hoch bei $7,40 gemacht hätte, hätte man Geld verloren.

Kanäle zu handeln kann schwierig sein, aber das Verständnis, wie sich diese Kanäle auswirken, kann die Herangehensweise, die man für den aktiven oder Tageshandel bei Rohstoffen mitbringt, stark verbessern.
Wenn man weiß, warum sich die Märkte seitwärts bewegen, kann man sich auf plötzliche Kursbewegungen einstellen.

In Bild 3, März Kakao, ist zu sehen, dass der Markt sich in einem breiten Bereich zwischen 1380 bis 1440 aufhält. Außer bei zwei Gelegenheiten im April und Juli durchbrach der Markt die Unterstützung von 1380 nicht. An der Oberseite ging dem Markt jedes Mal bei maximal 1440 die Luft aus.

In Bild 4 ist schließlich zu sehen, wie der März-Kakao durch den oberen Widerstand um 1440 herum scharf durchbricht und direkt auf 1800 zuläuft, ohne sich kaum einmal umzublicken. Das zeigt den zweiten Weg auf, wie man Kanäle handeln kann: Durchbrüche nach oben und nach unten. In den Bildern 2 und 4 ist zu sehen, wie der Markt schnell abhob und direkt zum nächsten Widerstand durchlief oder sogar neue Hochs schaffte, nachdem er einmal den oberen Widerstand durchbrochen hatte. Dasselbe kann genauso nach unten vorkommen.

Wenn man das Prinzip von Unterstützung und Widerstand in die allgemeine technische Analyse einbezieht, erhält man zwei neue Handelsstrategien für die Trickkiste. Zum einen handelt man in Unterstützungs- und Widerstandskanälen und zum anderen Ausbrüche nach oben und unten. Diese beiden Strategien kann man durch verfeinerte Ansätze wie vertikale und horizontale Spreads und auch synthetische Calls und Puts ergänzen. Wenn Sie diese Art Strategien in Ihr Trading einbeziehen, eröffnen sich Wege, Ihre Marginanforderungen annähernd auf das Niveau der Hedger zu reduzieren,
was letztlich das ist, was Sie wirklich wollen. Sie wollen die gleichen Möglichkeiten und den gleichen Zugang zu den Märkten haben wie die Hedger.

Mit der Kenntnis, wie sie vorgehen (die Spieler), wie sie die Preisbewegungen einschätzen (die Aufstellung) und wo man feststellen kann, welche Positionen sie gerade halten (die Aktion), verschaffen Sie sich einen Extravorteil in der Welt des Futures- und Rohstoffhandels.

(c) 2005 Traders´ media GmbH, Beethoven Center, Beethovenstr. 1a, 97080 Würzburg
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