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Wissen: Fonds und Zertifikate an der Börse handeln

Grundlagen Börse

FRANKFURT. (Börse Frankfurt).Der Handel mit solchen Wertpapieren läuft an der Börse Frankfurt über das Handelssystem Xetra, aber anders als bei liquide gehandelten Aktien ist hier menschliche Unterstützung nötig. Die Preise dieser Art Wertpapiere basieren nicht auf Angebot und Nachfrage, sondern werden von anderen Preisen abgeleitet.

Fonds sind Körbe mit mindestens zehn verschiedenen Wertpapieren, Zertifikate beziehen sich auf einen oder mehrere Wertpapiere als Basiswert. Weil es einige Unterschiede zum Handel mit Aktien oder Anleihen gibt, wie die Preise festgestellt werden, beschreiben wir in Teil drei unserer kleinen Serie den Weg eines Auftrags beim Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen und Zertifikaten.

Fondshandel am laufenden Band

Im börslichen Handel können Fonds-Anteile an Börsentagen fortlaufend zwischen 8:00 und 20:00 Uhr gekauft und verkauft werden. Dabei wird jedes Wertpapier von einem Spezialisten betreut. Spezialisten sind für die stetige Berechnung von marktgerechten An- und Verkaufspreisen zuständig. Sie stellen im Handelssystem also ständig Geld- und Brief-Quotes mit einem Volumen, für das diese Quotes gelten.

Referenzpreise

Grundlage für die Berechnung der Fonds-Preise ist der Nettoinventarwert, also das Vermögen im Fonds. Der wird von den Emittenten in der Regel einmal am Tag veröffentlicht. Die Spezialisten an der Börse wiederum ermitteln die Handelspreise mit Hilfe so genannter Referenzpreismodelle. In diese Modelle fließen Markttendenzen und die jeweilige Bezugsgröße des Fonds, die so genannte Benchmark, ein. Basis sind die historischen Wechselbeziehungen zwischen Bewegungen der Benchmark und dem einzelnen Fonds.

Für die Ausführung der Aufträge überwachen die Spezialisten mit Hilfe eines Limit-Kontrollsystems, ob Stopp-Limits ausgelöst werden, die eine Stopp-Loss-Order aktivieren. Alle gültigen Aufträge der Anleger führen sie gegeneinander oder gegen das eigene Buch aus. Für die eigentliche Abwicklung wird das Handelssystem Xetra genutzt. Dadurch können Aufträge in wenigen Sekunden ausgeführt werden. Dabei sitzen die Spezialisten allerdings im großen Handelssaal der Börse Frankfurt, dem so genannten Parkett. Derzeit kümmern sich zwei Handelshäuser, die ICF Kursmakler AG und die Baader Bank AG, um die Kursstellung von Fondsanteilen.

Handel auch ohne Rücknahme

Ein großer Vorteil des Börsenhandels mit Fonds greift, wenn dessen Anteile vom Emittenten von der Rücknahme ausgesetzt werden, wie es in den vergangenen Jahren bei zahlreichen offenen Immobilienfonds geschehen ist.

Zum Hintergrund: Bei hohen Mittelabflüsse, sprich Verkäufe von Fondsanteilen der Anleger, müssen diese Fonds Immobilien in ihrem Portfolio verkaufen, was im Fall von Immobilien kurzfristig nicht oder nur zu schlechten Preisen möglich ist. Deswegen können die Emittenten solche Fonds unter bestimmten Bedingungen für einen festgelegten Zeitraum „schließen“. An der Börse ist dann weiterhin Handel möglich, wenn Käufer und Verkäufer mit passenden Preisvorstellungen aufeinander treffen. Das nennt man Handel gegen Buch, der Aufschlag gegenüber dem Preis des Emittenten spiegelt die Erwartungen des Markts wieder.

Niedrige Spannen zwischen Verkaufs- und Kaufpreis

Die Spezialisten stellen Preise in Form von Quotes mit einem Ankaufs- und einem Verkaufspreis bzw. einer Geld- und einer Briefseite. Dabei haben sie sich den Marktteilnehmern gegenüber verpflichtet, dass sich die Preise immer innerhalb der angegebenen Spanne bewegen. Auch die Größe der Handelsspanne, also die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis, ist nach oben begrenzt, um die Handelskosten für den Anleger niedrig zu halten. Bei Aktienfonds darf die Spanne höchstens bei 1,5 Prozent liegen, bei Rentenfonds maximal 1 Prozent und bei Geldmarktfonds liegt die Obergrenze bei 0,5 Prozent. Bei allen anderen Fonds darf die Handelsspanne bis zu maximal 2 Prozent betragen. Wobei die Spannen in den meisten Fällen sehr viel niedriger sind.

Handel von Zertifikaten

Der Handel mit Zertifikaten und Optionsscheinen wird von Scoach, einem Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Börse und der Schweizer SIX Swiss Exchange, organisiert.

Emittenten stellen laufend Kurse

Bei Zertifikaten und Hebelprodukten sorgen in erster Linie die Emittenten für Liquidität, indem sie als Verkäufer und Käufer ihrer Produkte auftreten. Grundsätzlich müssen Emittenten fortlaufend An- und Verkaufskurse für die eigenen Produkte bereitstellen. So ist sichergestellt, dass die Wertpapiere auch vor Ablauf der Laufzeit wieder verkauft werden können.

Spezialisten erledigen die Ausführung

Wie bei Fonds landen eingehende Aufträge für den Zertifikate-Handel in den Orderbüchern der Spezialisten. Ihre Aufgabe ist es nun, die eingehenden Aufträge und die Quotes der Emittenten miteinander abzugleichen und gegebenenfalls die Orderausführung auszulösen. Die Ausführung erfolgt dann direkt im elektronischen Handelssystem Xetra und kann in Sekundenschnelle abgewickelt werden. Über 90 Prozent der Orders haben eine Ausführungszeit von weniger als 10 Sekunden.

Der größte Umsatz bestimmt den Preis

Sowohl beim Fonds- als auch beim Zertifikate-Handel wird zu dem Preis ausgeführt, zu dem innerhalb der Geld-Brief-Spanne der größte Umsatz erzielt werden kann bzw. bei dem der geringste Überhang besteht. Dies nennt man modifiziertes Meistausführungsprinzip. Bei identischem Umsatz zu mehreren Limits wird zu dem Preis ausgeführt, bei dem der geringste Überhang vorliegt.

Im Zertifikatehandel bei Scoach laufen Aufträge für Zertifikate aus ganz Europa zusammen. Wo mehr Aufträge sind, besteht auch eine höhere Liquidität. Deshalb können über Scoach auch bessere Preise erzielt werden als beim Direkthandel über die Emittenten. Außerdem wird der börsliche Handel überwacht.

© 6. Juni 2012/Edda Vogt

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