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Interview: Volumen Spread Trading in Aktien

Grundlagen Trading

[Traders`Mag] - Es gibt verschiedene Berufe, die dafür bekannt sind, dass sie diejenigen anziehen, die auf der Suche nach Abenteuern sind, das Risiko lieben oder gerne sorglos reich werden wollen. Auf der Liste der begehrtesten Berufe stehen Rockstar, Topmodel und... erfolgreicher Trader. Nun, der Weg zum Erfolg in diesen Berufen ist steinig, voller Umwege zumeist und nicht ungefährlich. Nur die wirklich hartnäckigen und entschlossenen überqueren dieses raue Terrain und erreichen – wenngleich mitunter ein wenig zerkratzt und mitgenommen – das angestrebte Ziel. Was würden Sie machen, wenn Sie eine erfolgreiche Trading- Strategie erarbeitet hätten? Natürlich auf alle Fälle mit dem Trading weitermachen, vielleicht auch ein paar Seminare geben, um andere Trader von ihrem Wissen profitieren zu lassen und dann können Sie eventuell freie Zeit in Ihrem Ferienhaus am Mittelmeer oder in Australien verbringen – segeln und die Sonne genießen. Wenn sich das mit Ihren Visionen und Vorstellungen deckt, dann sollten Sie Nigel Hawkes kennenlernen. Traders´ hat in einem Gespräch versucht, die „Geheimnisse seines Erfolgs“ zu ergründen.

Interview Nigel Hawks

TRADERS´: Erzählen Sie uns kurz von Ihrem Beruf – was haben Sie gemacht, bevor Sie anfingen zu handeln?

HAWKES: Ich bin jetzt 54 – mein Gott, das ist eigentlich sehr alt für einen Baby-Boomer wie mich. Ich komme ursprünglich aus dem Verlagswesen und habe für die Sunday Times und The Times Newspaper in London gearbeitet. Im Alter von 29 Jahren habe ich meinen eigenen Verlag gegründet, in den 80er Jahren wieder verkauft und bin dann segeln gegangen; durch Zufall geriet ich in das britische Team für den America’s Cup in Australien.

Wie sind Sie erstmals mit den Märkten in Berührung gekommen?

Nachdem ich meine Firma verkauft hatte, gab ich einem Broker 300.000 Pfund, der damit während meiner Abwesenheit handeln sollte – naja, ich kam zurück und erfuhr, dass er quasi während des Mittagessens alles verloren hatte.

Und warum haben sie nach einer so grausligen Erfahrung dann schließlich angefangen, die Märkte selbst zu handeln?

Ich sammelte mir die Unterlagen meines Tradingkontos zusammen und begann damit, die Trades meines Brokers zurückzuverfolgen, um zu sehen, was genau er gemacht hatte – und so wurde ich süchtig. Das Anziehende für mich war, dass ich hier mein eigener Herr war, ohne den Stress einer großen Firma und ohne für viele Mitarbeiter verantwortlich zu sein. Seitdem bin ich Trader – und ich habe überlebt! Die schlechte Nachricht dabei ist jedoch, dass es genau wie zum Heiligen Gral auch, keinen klar definierten Weg zum erfolgreichen Trader gibt.

Sind Sie inzwischen Fulltime-Trader?

Ja. Ich handle 20 Aktien in England und 60 der wichtigsten US Aktien, bei denen ich die Volume Spread Analyse (basierend auf dem Wycoff Prinzip) sowie auf der Standardabweichung basierende Momentum-Indikatoren anwende. Zudem handle ich auch noch 15 Futures – hauptsächlich Währungen und Bonds. Ich bevorzuge allerdings Aktien, da diese ein weitaus besser definiertes Trendverhalten aufweisen, wohingegen Futures ein größeres Volatilitätsprofil besitzen, das sich aber auf drei- bis fünftägige Trends beschränkt.

Was finden Sie im Zusammenhang mit Trading am besten?

Die Möglichkeit herumzureisen. Ich verbringe ungefähr vier Monate im Jahr in Australien, zwei in Spanien und den Rest des Jahres in England – aber ich trade die ganze Zeit.

Trader werden häufig klischeehaft dargestellt, wie sie in einer Art NASA Kontrollstation sitzen, umgeben von 20 Monitoren. Wie verbinden Sie Ihr Globetrotter-Dasein mit dem Fulltime-Trading – was ist Ihr Setup?

Meine Systeme sind einfach. Ich habe einen Laptop und eine TradeStation 2000. Ich benutze meine eigenen Indikatoren, die ich in der Programmiersprache der TradeStation – Easy Language – programmiert habe. Dieses basieren auf der Volume Spread Analyse und dem Momentum. Ich habe CSI Unfair Advantage als Daten-Provider. Mit meinem Online-Broker E*Trade handle ich CFDs, was meine bevorzugten Instrumente für die Umsetzung meiner Strategien im Aktienhandel sind.

Wie haben Sie Ihr Wissen erworben? Mit Büchern, Seminaren oder einem Mentor?

Am Anfang habe ich viele Seminare besucht. Die einzigen beiden, die mir was gebracht haben waren von Charles Drummonds Geometry of the Market (P&L) und kürzlich eines bei einem Herren namens Murrey Maths. Drummond ist der Autor, von dem ich glaube, dass er eines der besten Bücher über das Traden geschrieben hat; es heißt How to Make Money in Futures and Lots of it. Wenn Sie sich sonst nichts kaufen, dann kaufen Sie wenigstens das – Sie werden es nicht bereuen. Ich benutze Murrey Maths’ Ansätze, um zu entscheiden, ob ich bestehende Trades schließe oder weiter laufen lasse. Auch The Candlestick Forecaster von Brad Mathney möchte ich nicht unerwähnt lassen. Ein gutes Programm, das Candlestick-Muster und viele Erläuterungen beinhaltet. Ich nehme diese Software vor allem für längerfristige Geschichten. Weiterhin findet man unter www.tradersrecord.com täglich brauchbare Kommentare zu Aktien.

Würden Sie bitte Ihre Methode beschreiben?

Am wichtigsten ist es, in einem Chart Ausschau nach Situationen zu halten, in denen die Kauf- und Verkaufsvolumina mit einer bestimmten Art von Kursbewegung zusammentreffen. Das Ausmaß dieser Kursbewegung lege ich jeweils über die Standardabweichung fest. Wenn ich auf diese Weise Preismomentum und positives Volumen herausgefunden habe, gehe ich zum nächst höheren Zeitrahmen, beispielsweise täglich – wöchentlich oder wenn ich intraday handle, 30 bis 60 Minuten, um zu sehen, ob ich in diesem übergordneten Zeitrahmen Schwäche identifizieren kann. Wenn ich in dem höheren Zeitrahmen kein Anzeichen für Schwäche sehe, steige ich nicht in einen neuen Trade ein, sondern warte, bis ich Anzeichen von Schwäche ausmachen kann. Dies muss allerdings innerhalb von fünf Zeitperioden der untergeordneten Zeitperiode erfolgen, sonst betrachte ich den Trade als erledigt – und warte auf die nächste Gelegenheit. Wichtig bei meiner Art von Handel ist also, dass meine Signale in einem Zeitrahmen von einem übergeordneten Zeitrahmen bestätigt werden. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg sehr.

Waren Sie mit Ihrem Tradingstil von Anfang an erfolgreich?

Ich hatte viele von diesen Depri-Tagen, an denen ich dachte, ich schaffe das nie; ich hatte Angst, Tausende Dollars an irgendwelche Scharlatane zu vertun, die versprechen, tolle Systeme zu verkaufen. Ich verbrachte Hunderte Stunden damit, die Geheimnisse eines Gann, eines Elliott und Anderen zu ergründen – alles sinnlos. Die schienen mir im Nachhinein betrachtet zwar jeweils alle super zu sein, funktionierten für mich aber nicht, wenn es darum ging, sie im tatsächlichen Marktgeschehen einzusetzen. Meine Marktanalyse war derart Fehler behaftet, dass ich sogar in Erwägung gezogen habe, völlig entgegengesetzte Trades zu machen – ich lag mit Sicherheit weitaus konsequenter falsch als richtig.

Es scheint, als ob jeder Trader seine persönliche Horror-Story hat. Was war Ihre schlimmste Erfahrung, mal abgesehen von der Geschichte mit dem Broker, der mehr Eifer als Talent besaß?

Ein Fehler von einem Broker (der inzwischen verstorben ist), der meine Verkaufsorder als Kauforder auffasste und so in eine ohnehin schon schwächelnde Position eine nicht unerhebliche Summe investierte. Obwohl die Tonbandmitschnitte bewiesen, dass ich Recht hatte, konnte sich der Broker aus der Sache herauswinden, indem er sich auf die Konditionen der Firma im Kleingedruckten berief.

Gab es irgendetwas (mal abgesehen von dem Verlangen, Ihr Geld wieder zurück zu bekommen), das Sie immer wieder dazu brachte, trotz harter Zeiten und Rückschläge, weiter zu handeln?

Nein, wie viel andere auch bin auch ich einfach nur ein kleiner Bastard, der eben Breakeven erreichen möchte – genauso wie Mr. Partridge in dem Buch Reminiscenses of a Stock Operator.

Und ab wann liefen die Geschäfte dann besser?

Erst nachdem ich mich mit der Volume Spread Analyse befasst hatte, konnte ich so langsam Gewinne verbuchen. Erinnern Sie sich noch daran: Das Volumen war lange Zeit die einzige Information, die die Börsen erst mit Verzögerung veröffentlichten. Damit konnten sie für eine Zeit lang den Vorteil der Trader auf dem Parkett aufrecht erhalten. Aber jetzt mit den elektronischen Anzeigen ist das Volumen sofort verfügbar. Trotzdem, das einzige Problem mit jeder allein stehenden Analyse, die nur auf einem einzigen Parameter basiert, ist, dass man leider sehr viele falsche Ausbrüche bekommt und in Seitwärtsbewegungen relativ hilflos ist.

Und wie vermeiden Sie das dann?

Wenn man Momentum-Indikatoren mit der Volume Spread Analyse kombiniert, wird das Handeln plötzlich extrem profitabel.

Sie behaupten, dass die meisten Trader nur deswegen Geld verlieren würden, weil sie sowohl bei der Gewinnmitnahme als auch beim Schließen einer Verlustposition die gleiche Anzahl von Kontrakten benutzen. Können Sie Ihre Money Management Strategie etwas näher erläutern?

Es war Anfang der neunziger Jahr als ich in Las Vegas an einem Kartenspieltisch saß – da fand ich schließlich das letzte Puzzlestück. Ich hatte einige Zeit an einem Tisch gespielt, an dem die Einsätze relativ hoch waren; nach etwa 45 Minuten lehnte sich der Spieler, der rechts von mir saß, zu mir rüber und sagte: „Sie sind wirklich ein guter Spieler, aber Sie werden nie viel Geld gewinnen, denn die Money Management Strategie, die Sie benutzen, ist nicht richtig!“ Das endete darin, dass ich die meiste Zeit des Abends im Gespräch mit meinem neuen Freund zubrachte, der mir einimpfte, wie wichtig es sei, seinen Einsatz zu erhöhen, wenn alles zu seinen Gunsten verläuft, man sich also in einer Gewinnserie befindet. Ich habe diese Philosophie genommen, getestet und mittlerweile zu einem festen Bestandteil meines Tradingsystems gemacht. Da Verluste Teil des Geschäfts sind, habe ich ein Money Management System entwickelt, das Verluste begrenzt und die Gewinne optimiert, wenn das System sich in einer Serie von Gewinnen befindet. Wenn man erst einmal einen Trade identifiziert hat, und dann in einen wirklich guten Trend hineinläuft, dann kann man – wenn man seine Positionen mit zunehmenden Gewinnen entsprechend vergrößert – ein System, das nur eine Trefferquote von 50% aufweist, enorm verbessern. Nach vielen Stunden harter Arbeit denke ich, dass ein Pyramidensystem wirklich gute Dienste leisten kann: 1,2,3,4 – bis man schließlich mit sieben Kontrakten vollbeladen ist (oder wie viele Kontrakte Sie auch immer in diesen Trend hineinpacken möchten). Die Position wird geschlossen, wenn Sie die ursprüngliche Situation schließen würden. Sie sehen schon, dass das ursprüngliche Risiko mit nur einem Kontrakt gering ist, die Chance aber mit dem sich entwickelnden Trend und zunehmender Kontraktanzahl immer größer wird. Wenn Ihr Einstieg falsch war, dann haben Sie mit nur einem Kontrakt keine großen Verluste. Ich vergrößere meine Positionen immer dann, wenn ich einen Anstieg in der Standardabweichung registriere. Wenn diese drei Tage lang seitwärts ging und dann plötzlich ansteigt, dann vergrößere ich meine Position durch den Kauf weiterer Kontrakte.

Haben Sie ein paar Weisheiten bezüglich der fünf Buchstaben „Stopp“ auf Lager?

Stopps sind die Herausforderung im Leben eines jeden Traders. Uns wurde allen bereits in der Frühphase des Handelns immer wieder erklärt, dass wir Stopps setzen müssen, um uns zu schützen. Gleichzeitig können sich Stopps aber auch zu unseren größten Feinden entwickeln. Auch hier lege ich die Standardabweichung zugrunde: was immer ihr Wert über die letzten zehn Tage auch sein mag, ich nehme das Doppelte als Stopp. Wenn ich aber auf Grund meiner Volume Spread Analyse Schwächen im Markt auftauchen sehe, ziehe ich meine Stopps nach. Dann vermindere ich den Stoppwert auf eine Standardabweichung der letzten zehn Tage. Wenn ich sehe, dass die Schwäche dauerhaft ist, dann setzte ich den Stopp auf 75% einer Standardabweichung über zehn Tage. Den besten Tipp, den ich Ihnen geben kann ist, den größten Stopp, den Sie sich innerhalb der Grenzen Ihres Gesamtsystems leisten können, zu benutzen. Sie müssen dem Markt den Raum für seine natürlichen Schwingungen lassen.

Welche Ratschläge können Sie unseren Lesern geben, die gerne Fulltime-Trader werden möchten?

Ich habe bereits angedeutet, dass ich viel Zeit und viel Geld in Seminare, Software und Newsletter investiert habe. Tut mir leid, aber für diesen Weg gibt es keine Abkürzung! Jeder muss für sich den Tradingstil entwickeln, mit dem er glücklich werden kann und wenn das erreicht ist, dann muss er sich konsequent daran halten, und niemals eine Meinung haben – denn so sicher wie der Tag auf die Nacht folgt, wird diese Einschätzung falsch sein. Gehen Sie einfach nur nach dem, was Sie auf Ihren Charts sehen und behandeln Sie diese Informationen so, wie ein Pianist seine Noten behandelt. Nur wenige von uns werden die Möglichkeit haben, Konzertpianist zu werden. Aber die meisten sollten in der Lage sein, eine gute Melodie zu spielen. Wenn ich noch einen weisen Satz hinzufügen darf: Es ist die Beständigkeit, die Erfolg bringt; sobald Sie anfangen, nur die Rosinen herauspicken zu wollen, sind Sie verloren!

Die meisten erfolgreichen Trader behaupten, dass Beständigkeit und striktes Einhalten der Regeln die Schlüssel zum Erfolg sind. Dann wiederum räumen sie ein, dass es Zeiten oder Marktbedingungen gibt, in denen man sich über sein System hinwegsetzen muss – in anderen Worten – diskretionäres Handeln. Was lässt Sie von Ihrem System abweichen?

Ich weiche von meinem Konzept nur ab, wenn beispielsweise die Veröffentlichung von Fundamentaldaten angekündigt wird oder, wie erst jüngst, ein Krieg ausbricht. Wenn ich allerdings schon in einer Position drin bin, dann ignoriere ich diese Berichte.

Mal davon abgesehen, wie soll ein Trader wissen, wann die Abweichung von seinem System berechtigt ist und wann nicht? Wie kann er wissen oder herausfinden, ob sein Gefühl einfach nicht berechtigt ist?

Es dauert ungefähr acht Jahre, bis ein Arzt praktizieren darf. Ich denke, es dauert mindestens ebenso lang, wenn nicht länger, bis ein Trader die Intuition besitzt, den Markt richtig einzuschätzen. Viele Analytiker versuchen deshalb, die menschliche Natur aus dem Lernprozess herauszunehmen und Trading auf ein Programm zu reduzieren, das jeweils mit dem aktuellen Marktgeschehen konform geht. Das mag eine schlechte Nachricht für Ihre Leser sein, aber sie müssen Ihr Geschäft lernen – und nochmal: Es gibt keine Abkürzung auf dem Weg.

Sie geben auch Trading-Seminare. Warum haben Sie beschlossen, auch zu lehren?

Nachdem ich 18 Jahre lang gehandelt hatte, befiel mich vor einigen Jahren das Gefühl, schrecklich abgeschottet zu sein. Daher beschloss ich von da an, nicht mehr nur zu handeln, sondern mir das Vergnügen zu gönnen, anderen durch meine Seminare zu helfen und meinen Ansatz im TradeStation-Format aufzubereiten. Das beansprucht mich aber keineswegs so, wie wenn man Trader zwar ausbildet, aber nicht selbst handelt. Ich habe inzwischen einen beneidenswerten Lebensstil indem ich Seminare in Europa, den Staaten und in Australien halte (weitere Informationen unter www.tradeitenergy.com).

Sie haben Ihr Lehrgeld bezahlt und führen jetzt ein Leben, von dem viele Trader träumen. Wie nutzen Sie Ihre Zeit, wenn Sie gerade mal nicht traden oder in einem Flugzeug sitzen?

Essen, schlafen, segeln, fischen und – wenn es mir gut geht...

(c) 2005 Traders´ media GmbH, Barbarastraße 31, 97074 Würzburg
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