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Der Schl√ľssel zum Erfolg mit Optionen - Ein solides Fundament

Grundlagen Optionen

[Traders' Mag - Matt Blackman] Optionen gibt es fast so lange, wie Aktien und Commodities gehandelt werden. Der Hauptvorteil ist, dass Optionsk√§ufer an gr√∂√üeren Marktbewegungen f√ľr einen Bruchteil des Geldes teilnehmen k√∂nnen, das f√ľr den Kauf des zugrunde liegenden Wertes aufgewendet werden m√ľsste. Sie haben aber auch Nachteile: haupts√§chlich, dass eine Option nur eine bestimmte Lebensdauer hat, nach der sie verf√§llt; Zeit ist also ein ma√ügeblicher Faktor.

Ungl√ľcklicherweise machen Anf√§nger oft den Fehler, sich in die Welt der Optionen zu begeben, bevor sie die Spielregeln richtig verstehen, und das wird dann eine kostspielige Lehrstunde. Wir wollen in diesem Artikel die wichtigsten Eigenschaften von Optionen durchgehen und damit beginnen, sie auf ihren bestm√∂glichen Einsatz hin zu untersuchen. Ein informierter Trader und Anleger, der die Fallstricke kennt, hat viel bessere Chancen in dem Spiel mit Optionen.

Es war einmal ein Options-Trade

‚Ķ Vor vielen Jahren hatten wir einmal die Gelegenheit, auf dem Parkett zusammen mit anderen Klein-Tradern Optionen kennen zu lernen. Alle Trader waren reine Aktienh√§ndler, aber einer handelte auch Optionen. Eines Tages schlug jemand einen sch√∂nen Short-Trade vor, und wir machten alle mit. Im Laufe der folgenden beiden Tage stellten wir alle unseren Trade mit einem h√ľbschen Gewinn glatt. Der Optionsmensch hielt seine Position weiter. Sein Grund daf√ľr war, dass er das sichere Gef√ľhl hatte, dass die Aktie weiter fallen w√ľrde, und weil er nur wenig Kapital eingesetzt hatte, brauchte er noch nicht auszusteigen.

Er erkl√§rte uns, dass wir $40 000 f√ľr das Shorten von 1000 Aktien eingesetzt h√§tten, w√§hrend er daf√ľr nur $1500 brauchte, indem er zehn Puts je $1,50 gekauft hatte (jeder Optionskontrakt umfasst 100 Aktien, wodurch er 1000 Aktien short war). Mit den frei gebliebenen $38 500 konnte er andere Trades eingehen, w√§hrend er den Options- Trade weiterlaufen lie√ü. Im Ergebnis brachte die Aktienposition $1000, also 2,5 Prozent des Einsatzes. Der Options-Trader erzielte $1500, dass sind 100 Prozent seines Einsatzes, und er behielt die $38 500 frei f√ľr andere Trades, die bei den Aktienh√§ndlern bis zum Ende des Gesch√§ftes blockiert waren.

Das Einmaleins der Optionen ‚Äď Die Grundbegriffe

Es gibt viele verschiedene Wege, Optionen zu handeln, aber wir wollen mit einer Begriffsklärung anfangen, was sie sind und was sie nicht sind. Dann sehen wir uns einige einfache Strategien an (wie das Kaufen und Verkaufen von Calls und Puts), die dabei helfen können, vom Markt zu profitieren, gleich ob es aufwärts, abwärts oder seitwärts geht. Man kann Optionen in vielen verschiedenen Märkten einsetzen (Währungen, Futures, Commodities, Anleihen usw.), aber in diesem Artikel beschränken wir uns auf Aktien und ihre zugehörigen Optionen. Danach untersuchen wir, wie man die Aktien findet, um die Strategien wirkungsvoll zu nutzen.

Es gibt manchen Mythos um Optionen. Dazu geh√∂ren solche Missverst√§ndnisse wie die, dass Optionen riskanter als Aktien seien, dass sie nur etwas f√ľr den anspruchsvollen Profi sind, oder dass man sie ganz und gar meiden sollte. Das Ziel dieses Artikels ist, Sie mit wirksamen Waffen f√ľr Ihr Trading-Arsenal zu versehen.

Eine Option wird definiert als das Recht des Käufers, aber nicht seine Pflicht, eine vorher spezifizierte Menge eines Wertes zu einem bestimmten Preis innerhalb eines im Voraus festgelegten Zeitraums zu kaufen (im Fall eines Calls) oder zu verkaufen (im Fall eines Puts).

Die typische Anwendung von Optionen ist die Ausnutzung ihres Hebels und ihre Verwendung als Versicherung. Wenn von Optionen die Rede ist, kommt meist irgendwann der Kommentar ‚Äěbegrenztes Risiko bei unbegrenztem Potenzial‚Äú. Durch die Hebelwirkung k√∂nnen Sie mit kleinem Einsatz riesige Betr√§ge verdienen, aber Sie d√ľrfen nicht vergessen, dass das nur funktioniert, wenn Sie richtig liegen. Optionen werden auch als Versicherung benutzt oder als Hedge einer Aktienposition, um das Marktrisiko zu begrenzen.

Bevor man sich in den Ring wagt, muss man zum Verst√§ndnis von Optionen zun√§chst einmal das umfangreiche Fachvokabular lernen. Die ersten beiden Begriffe sind Calls und Puts. Ein Call gibt dem K√§ufer das Recht, aber nicht die Pflicht, eine bestimmte Menge eines Wertes zu einem festgelegten Preis innerhalb eines im Voraus festgelegten Zeitraums zu kaufen. Hinter dem Put steht die gleiche Idee mit dem Unterschied, dass der K√§ufer den Wert verkaufen darf. Bullisch eingestellte Trader kaufen Calls, b√§rische kaufen Puts. Der angesprochene festgelegte Preis wird Aus√ľbungspreis genannt.

Beispiele

Ein sch√∂nes Beispiel f√ľr einen Trade war k√ľrzlich der Kauf einer Call- Option in Martha Stewart (MSO). Der Wert er√∂ffnete am 16. Juni 2005 bei $27,75. Der gew√§hlte Aus√ľbungspreis war $30, der aus dem Geld lag (der Aus√ľbungspreis f√ľr den Call ist h√∂her als der aktuelle Aktienkurs). Der Verfallmonat war Juli. Die Option l√§uft am dritten Samstag des Monats aus, aber tats√§chlich gehandelt wird sie nur bis Freitag. Diese spezielle Option war also ein Juli-Call 30 (Verfalldatum 16.07.2005). Die bezahlte Pr√§mie betrug 0,60 oder $600 f√ľr zehn Kontrakte, die 1000 Aktien des Wertes entsprechen.

Pr√§mie wird definiert als das finanzielle Risiko, dass der Verk√§ufer oder K√§ufer f√ľr den speziellen Trade zu tragen bereit ist. Pr√§mien variieren von Aktie zu Aktie und h√§ngen von der Volatilit√§t (je h√∂her die Volatilit√§t, desto h√∂her das Risiko, umso h√∂her die Pr√§mie), dem Zeitraum bis zum Verfall (Pr√§mien verfallen umso schneller je n√§her der Verfall r√ľckt, auch als Zeitwertverfall bezeichnet. Je weiter der Verfall noch entfernt ist, um so gr√∂√üer ist das Risiko f√ľr den Verk√§ufer, so dass die Pr√§mie h√∂her ist) und davon ab, ob die Option im oder aus dem Geld ist (je weiter die Aktie vom Aus√ľbungspreis entfernt ist, um so weniger Risiko besteht f√ľr den Verk√§ufer; und je n√§her sie am Aus√ľbungspreis ist, oder dar√ľber steht, desto h√∂her ist das Risiko f√ľr den Verk√§ufer). Bei Verfall muss die Aktie theoretisch √ľber $30,60 stehen, dem Einstandspreis dieser Position, damit der Options-Trade einen Gewinn machen kann.

Abbildung 1 zeigt, dass sich die Aktie vor Verfall nicht nur bis zum Aus√ľbungspreis hinbewegen muss, sondern sie muss zus√§tzlich √ľber die bezahlte Pr√§mie ansteigen, damit an dem Trade Geld verdient werden kann. Wenn der Trade aber bei $30,10 geschlossen wird, bringt das immer noch einen guten Gewinn, vorausgesetzt, dass noch viel Zeit bis zum Verfall √ľbrig ist. Beim Kauf von zehn Calls ist das maximale Risiko in diesem Beispiel $600.

Man muss unbedingt den h√∂chstm√∂glichen Verlust kennen. DasGewinnpotenzial des Optionsk√§ufers ist theoretisch unbegrenzt, weilMSO vor Verfall unbegrenzt steigen k√∂nnte; daher besteht unbegrenztesPotenzial bei begrenztem Risiko.Der Optionsverk√§ufer seinerseits ist in der umgekehrten Lage. Eroder sie kann h√∂chstens $600 in diesem Trade mit uns verdienen, undsein Marktrisiko ist unbegrenzt (abz√ľglich der beim Verkauf der Optioneingenommenen $600 Pr√§mie). Der Trader benutzt die gleichenTechniken zum Kauf von Calls oder Puts, die er beim Kauf der Aktie oderihrem Leerverkauf verwenden w√ľrde. Der Unterschied liegt allein inder Art des gekauften Interesses und den Kosten f√ľr das Interesse.Zur Wiederholung: der Optionskauf kostete $600 f√ľr einen Juli-Call 30 in MSO. Drei Handelstage sp√§ter, am 21. Juni 2005, war derWert bei $30,10 im Geld (der Aktienkurs ist h√∂her als der Aus√ľbungspreisf√ľr den Call). Der K√§ufer war in einer guten Lage, weil die Option jetzt einen inneren Wert hatte (10 Cents mehr wert als der Aus√ľbungspreis), Aus√ľbungspreis), und es blieb noch viel Zeit bis zum Verfall, was hei√üt, dass der Zeitwertverfall der Option, wie in Abbildung 3 zu sehen, wenig Auswirkung auf unsere Option hatte. Wenn man die Option an diesem Tag f√ľr $1,10 verkauft h√§tte, w√§re das ein Gewinn von 83,3 Prozent auf die Investition gewesen ($500 auf eine $600-Anlage). In der gleichen Zeit bewegte sich MSO 2,35 Prozent, was einem Gewinn von 8,5 Prozent, also $2350 auf eine Investition von $27 750 entspricht.

Das ist ein deutliches Beispiel f√ľr einen der gr√∂√üten Vorteile von Hebelwirkung. Der Aktienh√§ndler hatte $27 750 festgelegt, w√§hrend der Optionsk√§ufer nur $600 brauchte. Deswegen ist die Hebelwirkung von Optionen so verlockend. Mit einem kleinen Betrag k√∂nnen Sie unglaubliche Prozents√§tze an Rendite erwirtschaften, wenn Sie richtig liegen.

Die Kehrseite beim Optionskauf ist, dass Sie Ihren gesamten Einsatz verlieren, wenn die Option sich nicht schnell zu Ihren Gunsten bewegt oder bis zum Verfall √ľber den Aus√ľbungspreis ansteigt.

Sehen wir uns den Kauf einer Put-Option an. Novellus Systems (NVLS) er√∂ffnete am 4. April 2005 bei $26,52. Die Autoren kauften Puts, weil sie davon ausgingen, dass der Wert sinken w√ľrde. Bis zum Verfalltag blieben nur noch zehn volle Handelstage, und die Put-Option war mehr als f√ľnf Prozent aus dem Geld (bei einem Put liegt der Aktienkurs √ľber dem Aus√ľbungspreis). Wer Puts verkaufte, tat das f√ľr 25 Cent pro Aktie bzw. $250 f√ľr zehn Kontrakte. Zur Er√∂ffnung am 15. April 2005, dem letzten Handelstag vor Verfall, wurde NVLS einige Minuten um $24,50 gehandelt. Damit lag die Option mit 50 Cent im Geld (der Aus√ľbungspreis liegt √ľber dem Aktienkurs); sie war 55 Cent wert. Praktisch ohne verbleibenden Zeitwert war der innere Wert jetzt 50 Cent. Leider konnte der Autor die Position wegen anderweitiger Verpflichtungen nicht den ganzen Tag verfolgen, so dass sie bei 55 Cent geschlossen wurde. In etwas weniger als zehn Handelstagen hatte der Trade 120 Prozent eingebracht. W√§ren wir bis zum Schluss dabei geblieben, als NVLS bei $ 23,78 schloss, w√§re der Gewinn $1200 oder 380 Prozent gewesen.

Was w√§re passiert, wenn die Optionsposition nicht verkauft worden w√§re? Bei diesem Trade w√§re die Option ausge√ľbt worden, was bedeutet, dass dem Verk√§ufer der Put-Option mitgeteilt worden w√§re, dass er oder sie 1000 Aktien vom Optionsk√§ufer zum Aus√ľbungspreis von $25 kaufen m√ľsste, der sie dann sofort h√§tte verkaufen k√∂nnen.

Optionsarten

Es gibt zwei Arten von Optionen, amerikanische und europ√§ische. Bei amerikanischen Optionen kann der K√§ufer die Option zu jedem Zeitpunkt bis zum Verfall aus√ľben. Bei europ√§ischen Optionen kann der K√§ufer nur bei Verfall aus√ľben. Der einzige Fall, wann es f√ľr einen K√§ufer Sinn macht, liefern zu lassen, ist dann, wenn keine Zeitpr√§mie mehr in der Option ist (am Verfalltag) und niemand bereit ist, dem Optionsk√§ufer daf√ľr einen fairen Marktwert zu geben. Die meisten Pros sind bei Verfall bereit, sie zu etwas weniger als dem Marktwert zu kaufen, so dass sie einen kleinen Gewinn machen k√∂nnen, indem sie jemandem die M√∂glichkeit bieten auszusteigen, so dass nicht ausge√ľbt werden muss.

Weil die meisten Optionen vom amerikanischen Typ sind, klingt es erschreckend, dass man jederzeit ausge√ľbt werden k√∂nnte, aber warum sollte in der Realit√§t jemand die Aktien zum Marktwert haben wollen, wenn noch Zeitpr√§mie in der Option ist? Au√üerdem sollten Sie, wenn Sie der Verk√§ufer der Option sind, eine Ausstiegsstrategie haben, falls die Option gegen Sie l√§uft und Sie in dem Trade Geld verlieren k√∂nnten. Wir werden Ausstiegsstrategien in einem sp√§teren Artikel besprechen. Wenn Sie aber Optionen verkaufen, m√ľssen Sie genug Geld auf dem Konto haben, die Aktien zu verkaufen oder zu kaufen, f√ľr den Fall des Falles.

Nachdem wir uns nun zwei Beispiele angesehen haben, sollte klar geworden sein, dass die Kenntnis einer Strategie lediglich einen Teil eines erfolgreichen Options-Trades darstellt. Denn selbst bei dem simplen Beispiel des Kaufs eines Puts oder Calls muss man in der Lage sein, den richtigen Wert f√ľr die Strategie auszusuchen, damit es klappt.

Wissen, was man wissen muss

Vor ein paar Jahren lud ein Freund den Autor zur Teilnahme an einem Essen mit Optionsseminar ein, das von einer bedeutenden Bank f√ľr ihre hochkar√§tigen Kunden ausgerichtet wurde. Das Seminar war f√ľr diese Kunden kostenlos, und die Bank wollte zeigen, was sie f√ľr sie tun k√∂nnte und gleichzeitig das Wissen ihrer Kunden √ľber Trading- M√∂glichkeiten erweitern. Die Pr√§sentation war gut organisiert und informativ.

Im Laufe des 90-min√ľtigen Kurses pr√§sentierte der Vortragende ein Dutzend unterschiedlicher Strategien mit Grafiken und Charts f√ľr Einstandspreis, Gewinnpotenzial usw. Bei keiner dieser Strategien war von echten Trades als Beispiel die Rede oder davon, welche Art Aktien f√ľr jede Strategie n√∂tig waren. Keine theoretischen Kenntnisse dieser Welt werden Ihnen dazu verhelfen, Geld mit Trading zu verdienen, wenn Sie nicht die F√§higkeit entwickeln, die richtigen Werte auszuw√§hlen.

In weiteren Artikeln werden wir auf die Kunst der Auswahl der richtigen Aktien f√ľr Options-Trades eingehen. Optionen k√∂nnen f√ľr den Anf√§nger einsch√ľchternd sein, aber sobald Sie die Schl√ľsselbegriffe und -strategien verstehen, sind Sie in der Lage, mit dem Bau eines festen Fundamentes zu beginnen, auf dem Sie eine erfolgreiche Trading-Karriere aufbauen k√∂nnen.

√úber den Autor

Matt Blackman ist ein technisch orientierter H√§ndler, Autor f√ľr diverse Magazine und gerne gesehener Redner auf Fachkongressen in Europa und den USA. Er kann unter matt@tradesystemguru.com erreicht werden.

(c) 2006 Traders¬ī Mag, Ausgabe M√§rz 2006 - Traders¬ī media GmbH, Barbarastra√üe 31, 97074 W√ľrzburg
Homepage: www.traders-mag.com

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