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CFDs - Contracts for Difference

Grundlagen CFDs

[Traders' Mag] - „Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“, heißt es so schön. Bei der Masse der Anleger hat das Wort Short-Selling noch immer einen etwas verruchten Beiklang. Die Short-Seller wurden von so manchen frustrierten Nemax-Opfern pauschal für das Platzen der Blase verantwortlich gemacht. Für nahezu jeden aber, der sich eingehender mit der Börse beschäftigt, ist klar: wer nur in eine Richtung handelt, bringt sich um die Hälfte seiner Chancen, um am Markt profitabel zu sein. Diese Einsicht bestätigt den starken Trend der letzten zwei Jahre hin zu Hebelprodukten und Derivaten.

Die Möglichkeit, Aktien leer zu verkaufen war hier zu Lande lange Zeit nur über Umwege und mit entsprechenden Kenntnissen der relativ komplizierten Finanzinstrumente möglich. Zwar boten sich dem Baisse orientierten Anleger diverse Möglichkeiten wie Knock-Out-Zertifikate/ Optionsscheine, Futures-Kontrakte, Optionen oder Universal Stock Futures. Keine dieser Varianten stellte aber bisher eine wirkliche Alternative zu dem in den USA weit verbreiteten und relativ unkomplizierten Short-Selling dar. So erschwerten vor allem beschränkte Laufzeiten und bei den Knock-Outs auch die KO-Barriere das Spekulieren mit fallenden Kursen. Eine Innovation aus Großbritannien bietet nun seit einiger Zeit eine hervorragende Möglichkeit, aus fallenden Kursen Profit zu schlagen.

Bei den Contracts for Differences, kurz genannt CFDs, entfallen eben gerade diese Hindernisse. Das geschieht einfach dadurch, dass im Gegensatz zu Optionen und anderen Derivaten keinerlei Verpflichtungen oder Rechte bezüglich des Underlyings bestehen.

Das Konzept klingt denkbar einfach und ist es tatsächlich. Steffen Fix von der Varengold Wertpapierhandelsbank AG, deren Tochter Hanseatic Brokerhouse als einer der ersten deutschen Anbieter Kunden den CFD-Handel ermöglichte, erklärt: „Contracts for Difference oder kurz CFDs sind ein einfaches Differenzgeschäft. Mit Hilfe von CFDs ermöglichen wir den Kunden den Handel von mehreren Tausend unterschiedlichen Aktientiteln auf Margin. Im Extremfall müssen lediglich fünf Prozent der tatsächlichen Positionsgröße als Kaution hinterlegt werden. Neben diesem theoretisch bis zu 20-fachen Hebel liegt der eigentliche Vorteil der CFDs jedoch darin, dass man auch eine Leerverkaufsposition eingehen kann. Ohne eine beschränkte Kontraktlaufzeit in Kauf nehmen zu müssen, kann so in direkter Kopplung an die Aktie selbst, an fallenden Kursen partizipiert werden“. Dominic Conolly von GNI ergänzt weiter: „CFDs sind Aktien sehr ähnlich und funktionieren im Prinzip auf die selbe Art und Weise, mit dem Unterschied, dass der Kunde die Aktien- bzw. Eigentumsrechte wegfällt, wird die (in Großbritannien zu zahlende) Stempelsteuer umgangen. Desweiteren sind sie ein Margin-Produkt, was bedeutet, dass der Nutzer nicht den vollen Preis des Kontrakts zahlen muss. Daraus ergibt sich ein Hebeleffekt, der allerdings nur von Händlern mit entsprechender Erfahrung genutzt werden sollte.“

Sowohl auf der Short- als auch auf der Long-Seite bietet die
Innovation CFD also dem erfahrenden Trader alternative Möglichkeiten.

Beispiel

Zunächst ein Beispiel für einen Long-Trade: Ein Händler entschließt sich, die Aktie der Deutschen Telekom zu zehn Euro zu kaufen. Er ordert 10.000 Stück davon. Dies entspräche einem konventionellen Investment von 100.000 Euro. Als Margin muss er nun aber lediglich 20.000 Euro hinterlegen. Einen Monat später notiert das Papier bei 15 Euro. Der Händler entschließt sich zu verkaufen. Sein Gewinn entspricht also 50.000 Euro. Bei einem herkömmlichen Aktienkauf hätte er 100.000 Euro investieren müssen, bei einem Handel in CFDs hingegen genügt es, ein Fünftel des Betrages als Sicherheitsleistung zu hinterlegen. Analoges gilt nun auf der Short-Seite. Ein Händler geht von fallenden Kursen der XYZ-Aktie aus. Er verkauft 10.000 Aktien zu zehn Euro. Als Sicherheitsleistung oder Margin müssen 20% des Orderwerts hinterlegt werden, also wieder 20.000 Euro. Fällt das Papier nun den Erwartungen entsprechend auf fünf Euro, entschließt sich der Händler zu covern, also die Aktien zurückzukaufen. Die Differenz zum Verkaufswert ist sein Gewinn; in diesem Fall (10.000 * 10 Euro - 10.000 * 5 Euro = 50.000 Euro). Hält man CFDs über Nacht ist des Weiteren noch der Faktor Zins zu beachten, der in die Berechnung eines Kontrakts mit einfließt. Dieser orientiert sich am LIBOR und liegt momentan bei zwei bis drei Prozent. Je nach Long- oder Short- Position wird der Betrag abgezogen oder gutgeschrieben. Im Falle einer Dividenden-Zahlung hat der Inhaber eines Long- Kontrakts Anrecht auf die entsprechende Summe, während der Inhaber eines Short-Kontrakts zu einer Zahlung verpflichtet ist. Somit sollte man sich vor dem Handel eines CFDs über die anstehenden Dividenden- und Split-Termine informieren.

Revolution aus London

Ursprünglich stammen diese Finanzprodukte aus London. Dort boten sie die einzigartige Möglichkeit, Aktien leerzuverkaufen und dabei die englische Stempelsteuer zu umgehen. Steffen Fix über die Entstehung der CFDs: „CFDs sind aus dem Interbankenhandel entstanden und haben daher eine starke Verwandschaft zum Währungshandel. Die Wiege der CFDs steht unbestritten in Europas Finanzmetropole London, hier wurde der Handel in den frühen Neunzigern standardisiert und Ende des Jahrtausends auch für Privatkunden zugelassen. Daher haben wir uns entschieden, CFDs über einen der größten Londoner Market Maker anzubieten.

In Deutschland konnten wir die CFDs über unsere Tochtergesellschaft Hanseatic Brokerhouse erstmals im Jahre 2000 einem öffentlichen Publikum zugänglich machen.“ Dominic Conolly von GNI erklärt: „CFDs wurden 1998 in den britischen Markt eingeführt. Nach dem Start des Elektronischen Orderbuchs SETS und der weitgehenden Abschaffung der Stempelsteuer für Market-Maker, wurde es für Broker rentabel, CFDs für Privatkunden anzubieten. In den frühen Neunzigern wurden sie im institutionellen Markt gehandelt, um mit Short-Trades die Stempelsteuer zu umgehen.“

Die Stempelsteuer existiert zwar in Deutschland nicht, trotzdem ergeben sich auch hierzulande Möglichkeiten, steuerliche Vergünstigungen auszunutzen. Anstatt beispielsweise dieselbe Position aufgrund kleinerer Schwankungen zu verkaufen und wieder zu kaufen, bietet sich die Möglichkeit, selbige mit einem CFD abzusichern und so die Position über die 12-monatige Spekulationsfrist hinaus zu halten.

Strategien

Mit CFDs kann eine ganze Reihe von Strategien verfolgt werden. Zum einen bietet sich natürlich die bereits erwähnte Möglichkeit der Short-Position an. Zum andern können parallel laufende Long-Positionen mit CFD-Kontrakten abgesichert werden. Durch den Hebel kann dies bereits schon mit einem Fünftel des Betrages getan werden.

Des Weiteren bietet sich die Möglichkeit via CFDs Indexanpassungen durchzuführen. Einzelne Gewichtungen können so liquiditätsschonend verändert werden. Nochmals Steffen Fix: „Short-Selling muss nicht nur zur Spekulation, sondern kann genauso zur Risiko-Kontrolle wie Absicherung oder zum Pair- Trading genutzt werden. CFDs sollten also von allen Investoren, die große Portfolios im physischen Markt besitzen, in Erwägung gezogen werden.“ Auch besitzen CFDs einige Vorteile gegenüber anderen Derivaten wie Knock-Out-Warrants oder - Zertifkaten oder Optionen. Steffen Fix meint hierzu: „Der wichtigste Unterschied im Vergleich zu anderen Derivaten besteht mit Sicherheit in einer fehlenden Laufzeitbeschränkung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Derivaten können CFDs bei richtigem Geld- und Risiko-Management über mehrere Wochen, Monate oder gar Jahre gehalten werden. Grundsätzlich befinden sich alle genannten Produkte auf der gleichen hohen Risikostufe, CFDs bieten dem Trader jedoch wesentlich mehr Transparenz und Freiraum in der Gestaltung seiner Positionierung und seiner Handelsstrategie. Es werden hier keine „abgepackten“ Kontrakte oder Zertifikate vorgegeben, wenn ein Händler nur eine einzelne Allianz-Aktie Leerverkaufen möchte so kann er dies mit Hilfe der CFDs tun.“

Maßanzug für Jedermann?

Für welche Art von Anleger sollten CFDs nun besonders interessant sein? „Für alle, die Aktien handeln, egal ob langoder kurzfristig, und für alle, die ihre bestehenden Aktienbestände beispielsweise gegen fallende Kurse absichern möchten“, beschreibt Sebastian Hartung von der Actior AG die Zielgruppe. „Mit Optionen würde bei Absicherungen durch den Zeitwertverlust ein weiteres Risiko entstehen, welches bei CFDs entfällt.“

Und Thomas Friedrichkeit von Ifxmarkets.de meint: „CFDs sind transparenter und viel einfacher zu verstehen als Optionen. Wir glauben daher, dass ein Teil des Potenzials bei Optionshändlern liegt. Der größere Teil der Interessenten kommt aber aus dem „Heavy Aktien Händler“-Bereich von Privatpersonen. Weiterhin wenden natürlich auch institutionelle Händler CFDs an.“

Generell können CFDs also für alle aktiven Händler interessant sein, deren Anlageverhalten über eine Buy-and-hold-Strategie hinausgeht.

Fazit

CFDs stellen ein Produkt dar, das durch seine Vielseitigkeit und Transparenz hervorragende Möglichkeiten besitzt. Trotzdem sollte man als Trader einiges an Erfahrung mitbringen, wenn man sich entschließt, diese Produkte zu handeln. Steffen Fix meint dazu: „Wir grenzen die Zielgruppe natürlich selber relativ stark ein, indem wir aufgrund der Risiken ein relativ hohes Maß an Erfahrung und Sachkenntnis voraussetzen müssen. Ich vermute jedoch trotzdem, dass CFDs sich gerade im semiprofessionellen Bereich zukünftig behaupten werden. Dies wird natürlich in weiten Teilen von der Qualität und der Aufklärungsbereitschaft der unterschiedlichen Anbieter abhängig sein.“

Deswegen ist bei den meisten Anbietern ein Erfahrungsnachweis im Umgang mit Derivaten notwendig. Ein weiterer Nachteil besteht im OTC-Charakter der CFDs, was bedeutet, dass keine unabhängige Clearing-Stelle vorhanden ist, sondern die Geschäfte vom jeweiligen Broker getätigt werden.

Hendrik Theis von der Hanseatic Brokerhouse AG bescheinigt den CFDs großes Potential: „Das Wachstum des CFD-Handels in den letzten zwei Jahren war phänomenal und mit 33% des Gesamtvolumens der LSE (London Stock Exchange), kann man getrost behaupten, dass CFDs bereits jetzt schon eine ernsthafte Alternative zu Aktien und Optionen sind. (...) CFDs sind ein starkes Produkt, da sie flexibler sind als Aktien und die Möglichkeiten bieten, von fallenden Kursen genauso wie von steigenden zu profitieren. Zudem bieten sie eine bessere Transparenz als andere Derivate.“

Die handelbaren Märkte variieren natürlich von Broker zu Broker. Jedoch bieten nahezu alle CFDs auf die großen Indizes und BlueChips der Welt an. In dieser Hinsicht sollte man auf keine Probleme stoßen.

Hält der Trend zu Derivaten weiterhin an, ist wohl davon auszugehen, dass auch CFDs ihren Marktanteil in Deutschland finden werden. Kaum ein anderes Produkt bietet momentan vergleichbare Vorzüge für erfahrene Trader. Allerdings sollte man sich auch der Tatsache bewusst sein, dass CFDs kein Börsen gehandelten Produkte sind.

(c) 2003 Traders´ media GmbH, Beethoven Center, Beethovenstr. 1a, 97080 Würzburg
Homepage: www.traders-mag.com

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