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Geldanlage Report: IPO-Markt in den USA floriert wie seit 13 Jahren nicht mehr

Armin Brack - Indizes - 14.10.2013

Lieber Geldanleger, in den USA gibt es so viele Börsengänge wie seit 2007 nicht mehr. Und die durchschnittliche Performance der Neulinge kann sich mit plus 39 Prozent mehr als sehen lassen.

Noch Ende Oktober könnten die Aktien des Kurznachrichten-Diensts Twitter das erste Mal gehandelt werden.

Lesen Sie, warum ich bereits jetzt davon abrate, die Aktie zu kaufen...

In 2013 haben Stand Ende letzter Woche 158 Firmen bei ihren Börsengängen in den USA insgesamt 33,8 Milliarden US-Dollar eingenommen. Die durchschnittliche Performance der Aktien liegt dabei, gerechnet vom IPO-Preis aus, bei atemberaubend hohen 39 Prozent.

Im dritten Quartal ist die Performance zwar auf 29 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Börsengänge aber ist weiter gestiegen auf 66 (gegenüber dem dritten Quartal 2012 sogar um über 150 Prozent). Weitere 117 Börsengänge sind in der Pipeline.

Im Schlussquartal könnten nochmal ähnlich viele dazu kommen. Dann würden insgesamt so viele Unternehmen den Sprung aufs Börsenparkett wagen wie seit den Tech-Bubble-Jahren 1999 und 2000 nicht mehr.

Bis zu den damaligen Rekordwerten ist es aber mit dann ca. 200 bis 250 Neulingen - glücklicherweise möchte man sagen - noch ein Stück hin. 1999 gab es 486 Börsengänge und im Jahr 2000 406.

Top-Performance mit Billig-Sandwiches

Im Gegensatz zu damals ist das Branchenspektrum bei den Börsengängen wesentlich breiter als damals. Die Anteil der Börsengänge aus dem Technologiesegment, der 1999 und 2000 dominierte, liegt nur noch bei rund zehn Prozent und ist deutlich rückläufig.

Das liegt u.a. daran, dass einige Gründer mit börsenreifen Firmen ihre Anteile direkt an Investmentfirmen verkaufen und ihre Anteile damit auf einen Schlag versilbern können. Die bei einem Börsengang anfallenden hohen Kosten können so vermieden werden.

Teilweise werden die Börsenkandidaten auch schon vor einem möglichen Börsengang von größeren Konkurrenten aufgekauft, so geschehen beim Landkarten-App-Spezialisiten Waze (von Google aufgekauft) und bei der Marketing-Software-Firma ExactTarget (von Salesforce.com übernommen).

Unter den Top-Performern der IPOs tauchen dann auch Firmen auf, die man dort nicht vermuten würde. Beispielsweise Potbelly (US-Kürzel PBPB; WKN A1W5PD), das eine Restaurantkette mit 275 in den gesamten USA verteilten Läden betreibt und Billig-Sandwiches (sowie Cookies und Shakes) anbietet. Die Aktien schlossen am ersten Handelstag vergangenen Freitag (4. Oktober) 119 Prozent über dem Ausgabepreis von 14 US-Dollar.

Übertroffen wurde dieses Ergebnis nur noch von Sprouts Farmers Markets (SFM; A1W2Q4), einer Supermarktkette, die auf Bio-Nahrungsmittel spezialisiert ist. Interessanterweise deckt auch Sprouts die Billignische im Bio-Bereich ab. Die Aktie kletterte am ersten Handelstag (31. Juli) um 122 Prozent.

Bereits am 27. Juni war die Erstnotiz von Noodles&Co. (NDLS; A1W1QK), einer Fast-Food-Kette, die auf Nudeln, Suppen, Salate, Pasta und Sandwiches spezialisiert ist. Mit einem Kurssprung von 104 Prozent ist Noodles&Co. die Nummer drei im Ranking.

Erst danach folgen mit den Softwareanbietern Benefitfocus (BNFT), FireEye (FEYE) und Tableau Software (DATA), den auf digitale Werbung mit Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz spezialisieten Rocket Fuel (FUEL) sowie den beiden aus dem Pharma-bzw. Medizinsektor stammenden Foundation Medicine (FMI) und Agios Pharmaceuticals (AGIO) Firmen mit teilweise wohlklingenden Namen aus "sexy" Branchen, die eher "hypeverdächtig" sind.

IPO-Markt ist heiß, aber nicht überhitzt

Die enormen Kursgewinne der Top-Performer zeigen, dass der Markt für Neuemissionen heiß ist. Die Tatsache, dass die Investoren aber durchaus auch auf Qualität achten, zeigt dass noch keine Überhitzung wie 1999/2000 vorliegt, als fast wahllos jedes IPO nach oben gekauft worden ist.

Was Investoren im Moment sehen wollen sind hohe Umsatzwachstumsraten, aber gleichzeitig auch ein funktionierendes Geschäftsmodell mit klaren Alleinstellungsmerkmalen. Das Unternehmen muss im Moment noch keine Gewinne erzielen, aber die Profitabilität sollte in greifbarer Nähe liegen.

Restaurant- oder Supermarktketten mit trendigen Angeboten, die bereits in kleinerem Maßstab erfolgreich sind und wo die Expansion an andere Standorte relativ gut planbar ist, passen in dieses Anforderungsprofil.

Die skurrile kurzfristige Kursverzehnfachung beim insolventen Twitter-Lookalike Tweeter Inc. (Kürzel TWTRQ) sollte in diesem Zusammenhang nicht überbewertet werden. Sie ist eher ein Zeichen dafür, wie planlos einige Kurzfrist-Zocker agieren, die irrtümlich glaubten Twitter, sei schon börsennotiert (Tweeter wird das Börsenkürzel TWTR haben).

Zudem zeigt die Begebenheit schön welch großen Einfluss massenpsychologische Effekte auf die kurzfristige Kursentwicklung einer Aktie haben können.

Richtig gefährlich wird es erst dann, wenn die Qualität der IPOs zunehmend schlechter werden sollte. Davon kann aktuell aber noch keine Rede sein. Mit Twitter, Chrysler und der Hotel-Kette Hilton stehen der Börsengang von drei Schwergewichten erst noch bevor.

Relativ enttäuschend ist die IPO-Tätigkeit dagegen hierzulande verlaufen. Im Gesamtjahr 2013 gab es bisher nur sechs Börsengänge. Oft kamen die Titel dabei am unteren Ende der Preisspanne an den Markt. Berücksichtigt man, dass mit Kion, LEG und Deutsche Annington trotzdem drei der zehn größten Börsengänge Europas aus Deutschland kommen, zeigt das deutlich wo die Musik für Anleger spielt: in den USA!

Als amibitionierter Privatanleger sollten Sie daher ernsthaft darüber nachdenken, ein Konto bei einem auf die USA spezialisierten Broker wie Interactive Brokers (www.interactive-brokers.de) oder Lynxbroker (www.lynxbroker.de) zu eröffnen.

Deutscher 3D-Drucker geht an die NYSE

Typisch: Während hierzulande mit Bastei Lübbe ein eher langweiliges Buchverlags-IPO erst nach Senkung der Bookbuilding-Spanne platziert werden konnte, geht das hippe 3D-Druck-Unternehmen Voxeljet aus dem hessischen Friedberg gleich den Weg an die New York Stock Exchange.

6,5 Millionen Aktien will Voxeljet platzieren zu einem Preis zwischen 13 und 15 US-Dollar je Aktie und damit ca. 91 Millionen US-Dollar einnehmen. Der Marktwert des Unternehmens, das von Juni 2012 bis Juni 2013 11 Millionen US-Dollar umgesetzt hat, würde damit in der Mitte der geplanten Preisspanne bei satten 309 Millionen US-Dollar liegen.

Das entspricht dem 28-fachen des im oben genannten Zeitraums erzielten Umsatzes. Ein derartiges Bewertungsniveau wäre bei einem Börsengang in Deutschland wohl nicht im Entferntesten erreichbar gewesen.

Angesichts der sensationell gut gelaufenen letzten 3D-Druck/Rapid Prototyping-Börsengänge ExOne (XONE; IPO-Preis 18 US-Dollar; heutiger Kurs 50,51 US-Dollar) und Proto Labs (PRLB; IPO-Preis 16 US-Dollar; aktueller Kurs 74,53 US-Dollar) scheint Voxeljet ein großes Maß an Aufmerksamkeit sicher. Bekannt wurde das Unternehmen als es 2012 für den James Bond-Film Skyfall drei "stunt-double"-Aston Martins produziert hat.

Im Vergleich zu den Marktführern 3D Systems (415 Millionen US-Dollar Jahresumsatz) und Stratasys (325 Millionen US-Dollar) ist Voxeljet ein Winzling. Die Tatsache, dass 3D Systems Voxeljet-Produkte in Nordamerika vertreibt, zeigt aber dass man nicht nur in Konkurrenz zu diesen Firmen steht, sondern auch deren Vermarktungspower zu nutzen weiß.

Die Erstnotiz ist bereits für die kommende Woche geplant. Mit Veeva Systems, einem Anbieter von cloud-basierter Software für die Life Sciences-Industrie, befindet sich voxeljet in guter Gesellschaft. Das Unternehmen hat die Preisspanne im Vorfeld bereits deutlich von 12 bis 14 auf 16 bis 18 US-Dollar angehoben.

In meiner Premium-Publikation Trend-Trader erfahren Sie, bis zu welchem Preis sich ein Kauf der Aktien nach dem IPO lohnen sollte.

Warum Privatanleger leer ausgehen

Aktien bei gefragten Börsengängen zum IPO-Preis zu bekommen ist für Privatanleger übrigens fast unmöglich. Sie müssen dafür nicht nur ein Konto bei einer der das IPO begleitenden Banken besitzen. Im Falle von voxeljet wären das die Deutsche Bank und Morgan Stanley. Sie sollten auch einer der wichtigsten Kunden sein, um eine nennenswerte Menge an Stücken zu bekommen.

Ansonsten haben Sie nur eine Chance, wenn Sie zum Kreis der führenden Mitarbeiter des Unternehmens gehören oder gute Freunde bzw. Verwandte der Vorstände sind.

Das liegt nicht an der Boshaftigkeit der Beteiligten - zumindest nicht nur - sondern ganz einfach an der Tatsache, dass es wesentlich einfacher ist, Aktienpakete an einige wenige Großanleger zu verteilen als an viele kleine Privatanleger.

Glücksritter können trotzdem versuchen, besonders gefragte IPOs direkt nach Handelsbeginn zu erwerben, sofern das Börsenumfeld freundlich ist. Bei acht der zehn oben genannten Top-Performer lag der Schlusskurs des ersten Handelstages deutlich oberhalb des Eröffnungskurses (z. B. Sprouts Farmers Markets Eröffnung bei 35 US-Dollar; Schlusskurs bei 40,11 US-Dollar).

Sie sollten dann allerdings unbedingt direkt nach dem Kauf einen Stoppkurs zur Verlustabsicherung platzieren.

MEIN FAZIT:

- Der IPO-Markt in den USA floriert wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Trotzdem ist noch keine Überhitzung auszumachen. Anleger sondieren genau zwischen qualitativ guten und schlechten Börsenaspiranten.

- Mit Twitter, Chrysler und Hilton stehen wichtige Börsengänge erst noch bevor. Die gute Stimmung könnte also noch eine Weile andauern. Interessant auch, dass mit voxeljet ein 3D-Druck-Unternehmen aus Deutschland direkt an die New York Stock Exchange geht.

- In Deutschland herrscht dagegen weiter Flaute bei IPOs. Mein Tipp: Eröffnen Sie ein Konto bei einem USA-affinen Broker wie Interactive Brokers oder Lynxbroker, wo Sie US-Aktien zu sehr attraktiven Konditionen und über eine moderne Handelsplattform traden können.

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Armin Brack
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