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Finanzmarkttrends Dezember 2017 - Editorial: Ein guter Ausblick

HSH Nordbank Research - Trading Business - Marktkommentare - 13.12.2017

Das abgelaufene Jahr kann aus volkswirtschaftlicher Sicht ohne Zweifel als erfolgreich verbucht werden. Zu beobachten ist ein breit angelegter globaler Aufschwung. Die drei Lokomotiven der Weltwirtschaft, die USA, die Eurozone und China, stehen unter Dampf. Bei Deutschland sind gar √úberhitzungserscheinungen festzustellen. Die Weltwirtschaft d√ľrfte um rund 3,6 % gewachsen sein und im kommenden Jahr mit einer √§hnlichen Rate expandieren.

Frankreichs neue Rolle in Europa

Ein spannendes Thema wird in den n√§chsten zw√∂lf Monaten sein, inwieweit sich der franz√∂sische Pr√§sident Emmanuel Macron mit seinen Visionen f√ľr ein tiefer integriertes Europa wird durchsetzen k√∂nnen. Macron stellt der in diesen Zeiten um sich greifenden Idee, man m√ľsse wieder nationale Souver√§nit√§t erlangen, den Gedanken gegen√ľber, dass nur ein geeintes Europa sich global behaupten und seine Werte und Interessen durchsetzen k√∂nne. In diesem Geiste sind die verschiedenen Ma√ünahmen zu verstehen, die der franz√∂sische Pr√§sident anstrebt. Unter anderem ist hier die gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu erw√§hnen, ebenso wie die Schaffung eines europ√§ischen Energiemarktes ‚Äď etwa indem die nationalen Netze umfassend zusammengeschaltet werden ‚Äď sowie eine gemeinsame Klimapolitik, die sich unter anderem in einem Mindestpreis f√ľr CO2-Zertifikate √§u√üern soll. Als ein besonders wichtiges Thema definiert Macron die Digitalisierung. Die Stichworte hier sind der digitale Binnenmarkt und die Gr√ľndung einer Europ√§ischen Agentur f√ľr ‚Äěradikale neuartige Innovationen‚Äú sowie die Besteuerung der Unternehmen nach dem Ort, wo die Wertsch√∂pfung entsteht. Ziel ist es hier, Steuervermeidungsstrategien der Digital-Giganten zu verhindern.

F√ľr die gr√∂√üten Schlagzeilen hat sicherlich die Forderung Macrons nach einem gemeinsamen europ√§ischen Haushalt gesorgt, der unter anderem dem Ziel der Konjunkturstabilisierung dienen und der von einem europ√§ischen Finanzminister verwaltet werden soll. Auch die Idee einer Harmonisierung der K√∂rperschaftssteuer innerhalb einer Spanne, beginnend mit Frankreich und Deutschland, scheint recht weit oben auf der Macron-Agenda zu stehen. Besonders strittig d√ľrfte die von Frankreich angestrebte Angleichung der Sozialversicherungsstandards sein. Man muss davon ausgehen, dass Macron alles daran setzen wird, schon im kommenden Jahr intensiv diese Themen mit Deutschland und den anderen EU-Partnern zu verhandeln, um vor der Europa-Wahl im Jahr 2019 konkrete Fortschritte vorweisen zu k√∂nnen.

Inwieweit die Ambitionen Frankreichs durchsetzbar sind, wird u.a. von dem Ausgang der Verhandlungen √ľber eine neue Regierung in Deutschland bestimmt werden. So viel kann man sagen: Eine Beteiligung der SPD an einer k√ľnftigen Regierung erh√∂ht die Wahrscheinlichkeit, dass Macrons Europa-Visionen in wichtigen Punkten vorankommen werden.

Nervosität durch Wahlen in Italien. Das vorläufige Ende des Katalonien-Konfliktes?

F√ľr gewisse Nervosit√§t d√ľrften die Parlamentswahlen in Italien sorgen (sp√§tester Termin: 20. Mai 2018). In den Umfragen liegt die linkspopulistische und Europa-kritische F√ľnf-Sterne-Bewegung vorne, die ihre Regierungsf√§higkeit auf der nationalen Ebene noch unter Beweis stellen muss. Gleichzeitig hat auch der ehemalige Ministerpr√§sident Silvio Berlusconi seinen Hut wieder in den Ring geworfen. F√ľr die dringend ben√∂tigten Reformen l√§sst dies nichts Gutes erwarten. Optimistischer sind wir hingegen in Bezug auf Spanien. Am 21. Dezember 2017 wird in Katalonien neu gew√§hlt und wir gehen davon aus, dass die neue Regierung nicht mehr die Unabh√§ngigkeit vom Rest Spaniens verfolgen wird und mit Madrid in Verhandlungen √ľber den L√§nderfinanzausgleich eintreten wird. Das Thema Unabh√§ngigkeit sollte dadurch an Brisanz verlieren.

Kommt doch noch ein weicher Brexit zustande?

Wie die Eurozone sich im kommenden Jahr entwickeln wird, h√§ngt auch von dem weiteren Verlauf der Brexit-Verhandlungen ab. Nachdem die britische Regierung und die EU-Kommission die erste √§u√üerst z√§h verlaufende Verhandlungsphase zu einem Ende gebracht haben, wird man in 2018 endlich √ľber die Frage debattieren, wie die k√ľnftige Zusammenarbeit insbesondere beim Handel mit G√ľtern und Dienstleistungen aussehen soll. Die Uneinigkeit in der britischen Regierung erschwert es, den endg√ľltigen Ausgang der Verhandlungen abzusch√§tzen. Die Premierministerin Theresa May strebt offensichtlich eine Freihandelszone sowie eine zwei Jahre w√§hrende √úbergangszeit an. Einige Regierungsmitglieder bef√ľrworten hingegen einen Vertrag, der weiterhin den Zugang zum Binnenmarkt erlaubt. Theoretisch ist es auch m√∂glich, dass es bis M√§rz 2019 ‚Äď dann sind die vertraglich vorgesehenen zwei Jahre Verhandlungszeit abgelaufen ‚Äď keine Einigung gibt. Gro√übritannien w√ľrde dann automatisch aus der EU ausscheiden und m√ľsste zun√§chst eine Vollmitgliedschaft bei der Welthandelsorganisation beantragen. Den Binnenmarktzugang w√ľrde das Land vollst√§ndig verlieren. Wir halten es f√ľr denkbar, dass in Gro√übritannien ein Stimmungsumschwung stattfindet ‚Äď ausgel√∂st durch eine wirtschaftliche Abschw√§chung und Abwanderung von Unternehmen ‚Äď und man doch einen weichen Brexit mit Binnenmarktzugang vereinbart.

Risiko Protektionismus, ausgehend von den USA

Jenseits des Atlantiks scheint Pr√§sident Donald Trump seinen ersten gro√üen Erfolg in Form einer gr√∂√üeren Steuerreform einzufahren ‚Äď vorbehaltlich der endg√ľltigen Abstimmung im Kongress. Nichtsdestotrotz d√ľrfte es insbesondere im zweiten Halbjahr an der politischen Front zunehmend unruhig werden, da am 6. November Zwischenwahlen anstehen, bei denen das Abgeordnetenhaus komplett und der Senat zu einem Drittel neu gew√§hlt werden.

Die Politik der amerikanischen Regierung wird auch global Spuren hinterlassen. Als gr√∂√ütes Risiko identifizieren wir dabei einen verst√§rkten Protektionismus. Derzeit befindet sich die USA mit Mexiko und Kanada in Nachverhandlungen f√ľr den 1994 abgeschlossenen Freihandelsvertrag Nafta. Zuletzt hat man vereinbart, bis zum ersten Quartal 2018 noch zu verhandeln. Es scheint nicht ausgeschlossen, dass Nafta von den USA aufgek√ľndigt wird. Dies h√§tte einen disruptiven Effekt, der unter anderem die Autoindustrie in Nordamerika treffen w√ľrde, aber dar√ľber hinaus auch einen R√ľckschlag f√ľr den Freihandel allgemein bedeuten w√ľrde. In dieses Bild passt auch die Weigerung von Pr√§sident Trump, Richter f√ľr das Berufungsorgan der Welthandelsorganisation nachzubesetzen, das in Streitschlichtungsverfahren eingesetzt wird. Das Berufungsorgan k√∂nnte dadurch in 2018 von sieben auf drei Richter schrumpfen und sich damit als handlungsunf√§hig erweisen. Auch wenn der Welthandel im Jahr 2017 kr√§ftig expandiert hat, was sich in 2018 fortsetzen sollte, k√∂nnte die Regierung Trump schon im kommenden Jahr weiteren Sand ins Getriebe werfen, mit erheblichen Folgen f√ľr die n√§chsten Jahre.

Heiß laufende Unternehmensanleihemärkte und die Bitcoin-Euphorie

Risiken k√∂nnen auch von den in einigen Segmenten hei√ü gelaufenen Finanzm√§rkten ausgehen. Dazu z√§hlt unter anderem der Markt f√ľr Unternehmensanleihen, die von Firmen emittiert werden, die im globalen Durchschnitt bonit√§tsseitig zunehmend schlechter dastehen, gleichzeitig aber in den Genuss von immer geringeren Risikopr√§mien f√ľr ihre Anleihen kommen. Da dieses Anleihesegment im Vergleich zu Staatsanleihen relativ illiquide ist, kann es hier zu gr√∂√üeren Preisverwerfungen und Turbulenzen kommen, sollten Anleger wieder verst√§rkt die Fundamentaldaten ins Visier werden. Letzteres k√∂nnte dann der Fall sein, wenn die Europ√§ische Zentralbank Ende kommenden Jahres ihren Bestand an Unternehmensanleihen nicht weiter aufstockt und dem Markt daher die Unterst√ľtzung entzieht.

Im Zusammenhang mit m√∂glichen Verm√∂genspreisblasen darf auch das Thema Bitcoin nicht fehlen. Diese Kryptow√§hrung hat zeitweise einen Kursstand von 17.000 US-Dollar erreicht, nachdem sie vor wenigen Monaten noch mit etwa 2000 US-Dollar bewertet wurde. Den Kursanstieg ausschlie√ülich mit Gier und Kaufpanik zu erkl√§ren, greift zu kurz. Es gibt im Zeitalter der Digitalisierung eine Nachfrage nach einer W√§hrung, die es erm√∂glicht, ohne Intermedi√§r Geld vom K√§ufer zum Verk√§ufer zu √ľberweisen. Bitcoin erm√∂glich genau dies. Selbst wenn der Kurs des Bitcoin im kommenden Jahr einbrechen sollte: Die Idee der Kryptow√§hrung und die dahinter stehende Blockchain-Technologie werden sich √ľber kurz oder lang durchsetzen.

Ein spannendes Jahr 2018 liegt vor uns. Nutzen Sie die Chancen und nehmen Sie die Herausforderungen an. Wir w√ľnschen Ihnen viel Erfolg und bleiben Sie uns gewogen,

Redaktionsschluss 13.12.2017

Autor: Cyrus de la Rubia, HSH Nordbank AG - Volkswirtschaft & Research

Hinweis
Der Marktkommentar ist ein Auszug aus dem monatlich erscheindenen Finanzmarkttrends-Bericht der HSH Nordbank. Den vollständigen Bericht und weitere Publikationen erhalten Sie auf unternehmerpositionen.de und HSH-Nordbank.de. Bitte beachten Sie die Hinweise und den Disclaimer auf HSH-Nordbank.de und in den jeweiligen Publikationen.

Weitere Themen im Kapitalmarktbericht "Finanzmarkttrends" der HSH Nordbank:
Zinsprognose USA, Zinsprognose Euroland, Konjunkturprognosen, Wechselkurse, Aktienm√§rkte, √Ėlm√§rkte, Konjunkturdaten√ľberblick USA, Konjunkturdaten√ľberblick Eurozone uvm.

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