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Bitcoin-Aktien - Der Anfang vom Ende?

Armin Brack - Trading Business - Aktien - 07.11.2017 - Interactive Chart: BITSTAMP:BTCUSD

Lieber Geldanleger, ein Kennzeichen von Spekulationsblasen ist, dass sie sich weiter aufblähen als es sich die meisten Marktteilnehmer vorstellen können. Vor drei Jahren notierte der Bitcoin bei 350 US-Dollar, vor zwei Jahren bei 315 US-Dollar, vor einem Jahr bei knapp 700 US-Dollar und aktuell haben wir ein Niveau von 7.300 US-Dollar erreicht. Das heißt nach einer einjährigen Stagnation kam es zu einer Verdopplung und in den letzten 12 Monaten zu einer Verzehnfachung!

Eine solche Beschleunigung des Anstiegs ist bei Momentumwerten am Aktienmarkt typisch f√ľr den bevorstehenden Absturz - sofern sich fundamental nichts ver√§ndert hat. Ich finde der Vergleich passt sehr gut: √Ąhnlich wie bei vielen Aktien, die rein durch das Momentum, also durch steigendes Kaufinteresse getrieben werden, ist die Zahl der ausstehenden Aktien konstant (bzw. w√§chst nur sehr langsam) und fundamental (sprich: Rentabilit√§tskennzahlen etc.) hat sich ebenfalls nichts ver√§ndert: Der innere Wert des Bitcoins ist nach wie vor null und als W√§hrung taugt er auf Grund seiner extremen Schwankungen auch nicht.

Das moderne Equivalent zur Internetblase

Mit dem Bitcoin-Hype haben wir dar√ľber hinaus das moderne Equivalent zur damaligen Internetblase. Es reicht die Ank√ľndigung, den Namen in "Bitcoin irgendwas" oder "Blockchain irgendwas" zu ver√§ndern und den Gesch√§ftszweck auf Kryptow√§hrungen "auszurichten", damit die betreffende Aktie durch die Decke geht.

Wir hatten das Ph√§nomen in Deutschland schon bei der Bitcoin Group, die sich in der Spitze fast verzehnfacht hat, und bei The Naga Group. Zuletzt sprang dann die eher dubiose Mantelgesellschaft Maier + Partner auf den Bitcoin-/Blockchain-Zug auf und das Papier schnellte tempor√§r von einem auf sieben Euro nach oben. √Ąhnlich wie beim Bitcoin selber werden diese Anstiege durch die geringe Zahl an ausstehenden Aktien (bei Maier + Partner sind es insgesamt unter eine Million Aktien), die sich teilweise auch noch in festen H√§nden befinden, getrieben. Halten die Gro√üaktion√§re (zun√§chst) still und verkaufen ihre Papiere nicht, reicht eine verh√§ltnism√§√üig geringe Zahl an kaufenden Spekulanten, um einen solchen explosiven Anstieg zu erm√∂glichen.

ICOs machen f√ľr echte Investoren keinen Sinn

Das Ganze erinnert nat√ľrlich fatal an die Internetblase Ende der 90er-Jahre als wir dasselbe Ph√§nomen hatten. Aus der damaligen IPO-Euphorie (die in ersten Anzeichen nun auch am Aktienmarkt wieder zu sp√ľren ist) wurde die ICO-Euphorie. Mittels so genannten Initial Coin Offerings (ICOs) sammeln die Firmen Geld ein, um ihre Kryptow√§hrungs-/Blockchain-Projekte umsetzen zu k√∂nnen. Das Absurde daran ist: Selbst bei Projekten wie beispielsweise Ethereum, die sich offen als Non-Profit-Organisation zeigen, werden Marktkapitalisierungen jenseits der Milliarden-Grenze aufgerufen. Mit welche Berechtigung, frage ich mich? Das hei√üt, sogar an der Tatsache, dass Ethereum offen zugibt, dass man niemals Geld verdienen wird und damit auch niemals Geld an die Anleger aussch√ľtten wird, st√∂ren sich die selbigen nicht.

Dabei k√∂nnen ICOs durchaus Sinn machen. Ich nenne hier wieder Winding Tree als Beispiel. Das ist ein Kryptoprojekt, das es sich auf die Fahne geschrieben hat, den Tourismus-Markt mittels einer gigantischen, offenen und dezentralen Datenbank zu demokratisieren. Das Gesch√§ftsmodell von Vermittlern wie Priceline, Expedia, Booking.com und anderen, die exzellente Margen haben, k√∂nnte damit theoretisch obsolet werden. Ob es irgendwann soweit kommt, ist nat√ľrlich fraglich. Der Punkt, um den es mir geht ist aber folgender: F√ľr Branchenvertreter wie die Lufthansa oder TUI kann es auf jeden Fall Sinn machen, eine solche Organisation via Beteiligung am ICO zu unterst√ľtzen.

Denn: Wird die Vision von Winding Tree wirklich Realit√§t, k√∂nnte das dazu f√ľhren, dass die Margen von origin√§ren Branchenanbietern deutlich steigen. Damit meine ich Firmen, die tats√§chlich als Veranstalter auftreten. Hotels, Fluggesellschaften etc., die f√ľr den Touristen greifbare und unverzichtbare Dienstleistungen wie die Unterkunft oder den Transport zum Reiseziel √ľbernehmen. Insofern k√∂nnte das Investment der Lufthansa in ein paar Jahren - indirekt - durchaus Fr√ľchte tragen, weil sich die eigenen Gewinne dadurch erh√∂hen. Und zwar unter Umst√§nden in betr√§chtlichem Umfang.

Keinen Sinn macht ein Investment aber f√ľr Privatanleger. Denn diese werden dadurch keine Rendite erzielen. Auch nicht indirekt, denn die Reisen werden deshalb h√∂chstwahrscheinlich nicht g√ľnstiger werden. Der Profit wird sich halt anders verteilen. Denkt man das zu Ende kommt man zu einem krassen Schluss: Investoren, die bei ICOs Token kaufen, investieren eigentlich gar nicht wirklich. Man k√∂nnte das eher als eine Spende bezeichnen, denn ein Return on Investment in Form z.B. einer Dividende wird es bei diesen ganzen Non-Profit-Projekten nie geben.

Die Ironie daran ist, dass das wohl den meisten, die in Kryptow√§hrungen bzw. ICOs investieren, klar ist. Sie machen es aber trotzdem, wohl vor allem deshalb, weil sie Spekulanten sind und im Sinne der "The Greater Fool"-Theorie davon ausgehen, dass am n√§chsten Morgen ein neuer Spekulant aufsteht, der bereit ist noch mehr f√ľr das eigentlich wertlose Objekt der Begierde zu bezahlen.

Gigantisches Potenzial aus technologischer Sicht

Wichtig ist mir dabei eine wichtige Unterscheidung: Ich glaube nat√ľrlich nicht, dass Kryptow√§hrungen an sich und erst recht nicht die dahinter stehende Blockchain-Technologie sinnlos sind. Im Gegenteil: Die Technologie hat das Potenzial beispielsweise das Internet selbst und auch die Art und Weise wie wir elektronisch bezahlen, radikal zu vereinfachen bzw. noch schneller und quasi kostenlos zu machen. Und nicht nur das: Auch ganze Branchen wie beispielsweise die oben beschriebene Tourismus-Branche oder Dinge wie der elektronische Handel allgemein k√∂nnten revolution√§re Ver√§nderungen erleben.

Allerdings stehen wir hier noch ganz am Anfang einer Entwicklung, die noch einige Jahre Entwicklungsaufwand benötigt. Ein Beispiel: Eines der größten Probleme bei Kryptowährungen wie dem Bitcoin sind momentan ja die fehlenden bzw. stark eingeschränkten Skalierungsmöglichkeiten. Das heißt, bereits jetzt kommt das Netzwerk an seine Kapazitätsgrenzen - und dabei wird ja bisher mit dem Bitcoin fast nur spekuliert. Seine Rolle als tatsächliches Zahlungsmittel, als echte Währung, ist zu vernachlässigen.

Alle bisherigen Versuche, diese Problematik zu l√∂sen (Segwit 2.0 etc.) sind St√ľckwerk bzw. bringen nur tempor√§re Erleichterungen. Zwar gibt es innerhalb der Bitcoin-Community durchaus Technologien, die einen vielversprechenden L√∂sungsansatz haben (Lightning Network). Die gibt es aber auch au√üerhalb.

So sieht beispielsweise ein kleines deutsches Unternehmen, die Advanced Blockchain AG, eine ganz andere Entwicklung am Kryptow√§hrungshorizont: Das Team, nach eigenen Angaben bestehend "aus erfahrenen Distributed Ledger Technology-Enthusiasten, die von Anfang an die Entwicklung von Bitcoin mit der Blockchain Technology, Ethereum und den Smart Contracts...begleitet haben", sieht nun innerhalb "der jungen Industrie" die Zeit f√ľr die n√§chste Revolution gekommen:

Im Zentrum stehe dabei eine neue Kryptow√§hrung, der IOTA in Kombination mit "dem unvorstellbaren Potenzial des Tangle Networks". Der Tangle sei "die n√§chste Technologie-Stufe in der Crypto-Welt". Durch die Verwendung eines sogenannten Direct Acyclic Graphs (DAG) entfielen Bl√∂cke und Ketten. Die neuartige Technologie erm√∂gliche es somit, das erste wirklich dezentrale DLT-Netz (Distributed Ledger Technology) abzubilden, welches geb√ľhrenfreie Transaktionen auf einem unendlich skalierbaren und quantenresistenten Netzwerk unterst√ľtze.

Klingt komplex und ist es wohl auch. In einer neuen Pressemitteilung vom 27.10., in deren Rahmen die k√ľnftige Advanced Blockchain AG eine Partnerschaft mit der Berliner nakamo.to AG verk√ľndete, bringt es der Technikvorstand von nakamo.to auf den Punkt: "Die derzeit meistgenutzten Blockchains sind auf Grund von erheblichen Skalierbarkeitsproblemen nicht massenkompatibel. Wir entwickeln unsere Produkte deshalb ausschlie√ülich auf der Basis eines sogenannten Directed Acyclic Graphs (DAG)", eine Technologie welche nicht von Blockgr√∂√üen und Blockzeiten abh√§ngig ist und somit bis ins Unendliche skalierbar ist, Echtzeit-Transaktionen erm√∂glicht und Transaktionsgeb√ľhren abschafft.

Können diese direkten, azyklischen Graphen der Technologie wirklich den Durchbruch in den Massenmarkt bescheren? Und zwar nicht nur als Spekulationsobjekt, sondern in Form echter Anwendungen, die von Firmen und Privatpersonen gewohnheitsmäßig zur Bezahlung von Dingen oder dem Austausch von Werten, Verträgen, Lizenzen etc. genutzt werden?

Fehlende Monetarisierung f√ľhrt Anleger in die Falle

Ich wei√ü es nicht und das wissen selbst f√ľhrende K√∂pfe der Kryptow√§hrungsszene, die von der Technologie viel mehr Ahnung haben als ich, nicht. Sie k√∂nnen es nicht wissen. Genauso wenig, wie jemand ernsthaft vorher sehen konnte wie sich das Internet in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt hat und welche Anwendungen inzwischen m√∂glich sind. Allen voran sei hier der spektakul√§re Erfolg der sozialen Netzwerke mit dem unangefochtenen Dominator Facebook genannt. Zur Erinnerung: Facebook wurde am 4. Februar 2004 gegr√ľndet, also rund vier Jahre nachdem die damalige Interneteuphorie im Fr√ľhjahr 2000 ihren H√∂hepunkt √ľberschritten hatte.

Nachdem ich den vergangenen Wochen und Monaten sehr viel √ľber Kryptow√§hrungen und die Blockchain gelesen habe (u.a von Naval Ravikant, einem der f√ľhrenden K√∂pfe der Szene, sehr empfehlenswert. Links zu Blogbeitr√§gen von Naval finden Sie z.B. √ľber seinen Twitter-Account https://twitter.com/naval?lang=de), bin ich mir zwar √ľber das Potenzial der Technologie voll bewusst, aber gleichzeitig auch √ľber die Tatsache, dass die Entwicklung noch ziemlich am Anfang steht und zwar insbesondere hinsichtlich der Monetarisierung des Ganzen. Das hei√üt, ich sehe weit und breit niemanden, der in dieser Branche tats√§chlich mit echten Anwendungen oder Produkten, die an echte Kunden verkauft werden, Geld verdient.

Deshalb signalisiert eine Marktkapitalisierung von (f√ľr alle Kryptow√§hrungen zusammengenommen) inzwischen √ľber 200 Milliarden US-Dollar vor allem eins: dass wir uns in einer gigantischen Spekulationsblase befinden! Und diese wird fr√ľher oder sp√§ter platzen und je l√§nger es noch dauert, umso gr√∂√üer wird der Knall werden. Wie eingangs beschrieben glaube ich, dass wir uns mit Riesenschritten diesem Knall n√§hern. Der Anstieg des Bitcoin-Kurses ist atemberaubend.

Möglicher Gesamtmarkt-Crash durch Massenpanik

Auch f√ľr "normale" B√∂rsianer wurden mittlerweile M√∂glichkeiten geschaffen, in den Bitcoin (und auch in Ethereum) zu investieren: Es gibt beispielsweise inzwischen b√∂rsengehandelte Inhaberschuldverschreibungen, sprich: Zertifikate, die die Entwicklung des Bitcoin-Kurses 1:1 nachbilden. Der schwedische Anbieter XBT Provider, der zum Unternehmen Coinshares geh√∂rt, bietet hier z.B. zwei Produkte an (WKNs A18KCN bzw. A2CBL5; gleiche Produkte nur mit unterschiedlichen Bezugsverh√§ltnissen von 200:1 bzw. 20:1). Diese erfreuen sich auch in Deutschland steigender Beliebtheit und werden beispielsweise √ľber Tradegate gehandelt.

In den USA gibt es schon l√§nger den Bitcoin Investment Trust (US-K√ľrzel GBTC), der technisch etwas anders aufgebaut ist, aber dem gleichen Zweck dient. Anleger k√∂nnen damit bequem √ľber eine regul√§re B√∂rse auf einen weiteren Anstieg des Bitcoins spekulieren, ohne extra ein Konto an einer Kryptow√§hrungsb√∂rse er√∂ffnen zu m√ľssen. Obwohl die US-Wertpapieraufsicht SEC die Einf√ľhrung eines Bitcoin-ETFs untersagt hat (weil sie richtigerweise eine gigantische Spekulationsblase f√ľrchtet), h√§lt die Kryptow√§hrung also mehr und mehr im Anleger-Mainstream Einzug. Ein Teil des rasanten j√ľngsten Kursanstiegs d√ľrfte wohl auch aus dieser "Nachfrage-Quelle" gespeist werden.

Die Gefahr dabei: Je mehr Geld in den Kryptow√§hrungssektor flie√üt, umso gr√∂√üer wird der "Kollateralschaden" sein, wenn die Blase irgendwann platzt. Wenn dann erstmal Panikverk√§ufe einsetzen, weil Anleger innerhalb von Tagen oder gar Stunden, 10, 20, 30 oder 50 Prozent ihres investierten Verm√∂gens verlieren, kann es gut sein, dass die "Verkaufsorgie" dann auch auf den regul√§ren Aktienmarkt und insbesondere auf hoch bewertete Technologieaktien √ľbergreift.

Ist eine solche Abwärtsspirale erst mal in Gang gekommen und bekommen dann auch diejenigen Angst, die in scheinbar solide Gesamtmarkt-ETFs (auf den DAX, den EuroStoxx usw.) investiert sind, kann sich das schnell zu einem Gesamtmarkt-Crash ausweiten. Sie wissen: Ich bin eigentlich Optimist und sicher kein Crash-Guru. Aber dadurch, dass der Bullenmarkt schon so lange anhält steigt auch der prozentuale Anteil der aktiven Börsianer, die noch nie einen Crash mitgemacht haben.

Das ist gef√§hrlich, weil diese Gruppe sich selbst und ihre F√§higkeiten deutlich √ľbersch√§tzt. Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Ich habe im Zuge des Internet- und Biotech-Hypes w√§hrend meiner Studienzeit sehr viel Geld am Neuen Markt und an der NASDAQ verdient - und musste im folgenden Tech-Crash einen gro√üen Teil der Gewinne wieder abgeben, habe also viel Lehrgeld bezahlt. Irgendwann h√§lt man sich f√ľr unbesiegbar, wenn man √ľber einen l√§ngeren Zeitraum so leicht Geld verdienen kann.

Ich dachte, ich w√ľsste damals was ich tue. In Wirklichkeit war ich aber nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort und war mutig genug, in solche Papiere zu investieren. Dieser Mut, der in der Hausse Gewinne bringt, wird aber in der folgende Baisse bitter bestraft.

Es spricht √ľberhaupt nichts dagegen, wenn Sie versuchen m√∂chten, den jetzigen galoppierenden Bullenmarkt zu nutzen. Aber Sie sollten es professionell angehen, eine vern√ľnftige Strategie verwenden und wissen, wann es Zeit ist, den Verkaufsbutton zu dr√ľcken. Ich helfe Ihnen dabei: https://www.breakout-trader.de/

Autor: Armin Brack, Chef-Redakteur Geldanlage-Report - www.geldanlage-report.de

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