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Halver Kapitalmarkt-Monitor: EZB - Definitiv kein Einstieg in den Ausstieg!

R. Halver I Baader Markets - Indizes - 13.12.2016

Mit Blick auf die massiven wirtschafts- und finanzpolitischen Probleme der Eurozone kann sich die EZB den Stabilit√§tsluxus einer Deutschen Bundesbank schon lange nicht mehr leisten. Und angesichts von vier Nationalwahlen in Euro-Staaten 2017 wird sie jetzt auch noch die Aufgabe der politischen Flurbereinigung √ľbernehmen. Denn Euro-kritische Wahlergebnisse, die den Zusammenhalt des W√§hrungsraums gef√§hrden, sollen mit einer weiterhin zinsg√ľnstigen Refinanzierung von W√§hler beruhigenden Konjunktur- und Sozialprogrammen vereitelt werden. Die Reduktion des zuk√ľnftigen Volumens von Anleihek√§ufen sollte dabei nicht irritieren. Denn erstens wird das Aufkaufprogramm der EZB von M√§rz bis Dezember 2017 verl√§ngert und zweitens hat sie sich klar geoutet, die monatliche Liquidit√§tsversorgung im Bedarfsfall wieder zu vergr√∂√üern. Ohnehin lassen die Inflationsprognosen der EZB auch f√ľr die n√§chsten drei Jahre keine Hoffnung auf nachhaltig steigende Anlagezinsen zu. Die Zinssparer zahlen weiter den Preis der vollumf√§nglichen Euro-Rettung.

Bis 2019 ist die Hoffnung auf steigende Anlagezinsen gering

Das urspr√ľnglich bis M√§rz 2017 terminierte Anleiheprogramm der EZB geht erneut in die Verl√§ngerung, bis mindestens Dezember 2017. Zwar wird das monatliche Aufkaufvolumen ab April 2017 von 80 wieder auf das urspr√ľngliche Niveau 60 Mrd. Euro gesenkt. Insgesamt jedoch erwirbt die EZB damit etwa 540 Mrd. Euro mehr Anleihen als bislang geplant. Um Knappheitsprobleme beim Anleihekauf zu vermeiden, lockert sie ihre Kaufrestriktionen. Zuk√ľnftig wird sie auch Anleihen mit Renditen unterhalb des Einlagenzinses von minus 0,4 Prozent und mit einer Mindestlaufzeit von einem Jahr - bislang zwei Jahren - erwerben.

Spekulationen, dass es sich bei der Drosselung der Aufk√§ufe um den Beginn eines versteckten Tapering handelt, widersprach EZB-Pr√§sident Draghi heftig. Im √úbrigen sind die Wachstumsprojektionen der EZB unver√§ndert zur√ľckhaltend: 1,7 nach 1,6 Prozent im Jahr 2017, 2018 und 2019 jeweils 1,6 Prozent. Gleichzeitig hat Draghi die Konjunkturrisiken betont. Spanien und insbesondere Italien haben ihre Wirtschaftsleistung von vor dem Krisenjahr 2008 immer noch nicht erreicht. Und durch den Brexit - der seine Negativwirkung erst mittelfristig offenbaren wird - sowie (wahl-)politische Risiken in der Eurozone sind weitere konjunkturelle Reibungsverluste einzukalkulieren. Die prek√§re Investitions- und Konsumneigung unterstreicht die anhaltend lethargische Kreditvergabe an Unternehmen und Privathaushalte.

Zwar signalisiert die Reduktion der Anleihek√§ufe auf monatlich 60 Mrd. Euro, dass sich der gro√üe Deflationsdruck abgeschw√§cht hat. Laut EZB bleibt dennoch eine nachhaltige Inflationsbeschleunigung aus. Gem√§√ü ihrer Inflationsprojektionen rechnet sie in den kommenden drei Jahren trotz zuletzt wieder steigender Energiepreise nicht mit der Erreichung ihres Inflationsziels von zwei Prozent: 1,3 Prozent 2017; 2018 1,5 Prozent und 2019 1,7 Prozent. Grunds√§tzlich h√§lt die alternative √Ėlf√∂rdermethode Fracking den Deckel auf nachhaltig steigenden Energiepreisen. Damit ist das Kernkriterium f√ľr eine restriktive Geldpolitik nicht erf√ľllt. Auch die Kerninflationsrate - ohne Ber√ľcksichtigung von Nahrungsmitteln und Energiepreisen - zeigt seit Ende 2013 einen Seitw√§rtstrend.

Die weiterhin durch Anleihek√§ufe k√ľnstlich gedr√ľckten Renditen f√ľr Staatspapiere erm√∂glichen in den prek√§ren Euro-Staaten eine sorgenfreie Neuverschuldung, die anderenfalls Ausgabenk√ľrzungen oder Steuerbelastungen nach sich ziehen w√ľrden. Damit betreibt die EZB Konjunktur- und Sozialpolitik bzw. Wahlwerbung f√ľr das regierende Europa-freundliche Establishment.

Marktlage und Anlegerstimmung - Draghi und Trump rocken die Aktienmärkte

Tats√§chlich zeigen sich in einem von der BNP Paribas ver√∂ffentlichten Index erste Anzeichen eines R√ľckgangs politischer Risiken in der Eurozone. Gleichzeitig haben sich die Aktienkursschwankungen laut Euro Stoxx 50 Volatility sp√ľrbar zur√ľckgebildet.

Charttechnik DAX - Der Knoten ist geplatzt

Charttechnisch liegt beim DAX ein erster Widerstand bei 11.193, gefolgt von einer weiteren Barriere bei 11.431. Kommt es zu einer zwischenzeitlichen Konsolidierung beim DAX, liegen erste Unterst√ľtzungen bei 11.055 und 10.989 Punkten. Darunter wartet eine starke Unterst√ľtzung bei 10.802, bevor weitere Haltelinien bei 10.735 und 10.685 in den Vordergrund treten.

Der Wochenausblick f√ľr die KW 50 - Die Fed macht keine Zins-Angst

In China unterstreichen Industrieproduktion und Einzelhandelsums√§tze f√ľr November die allm√§hliche konjunkturelle Stabilisierung.

In den USA zeigt sich die Konjunkturstimmung gemäß Einkaufsmanagerindex der Philadelphia Fed wieder stabiler. Die hard facts zu Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen im November sowie Baubeginne und -genehmigungen bleiben noch verhalten.

Aus Gr√ľnden der zinspolitischen Glaubw√ľrdigkeit wird die US-Notenbank nach langem zinspolitischen Versteckspiel die Leitzinsen um 25 Basispunkte anheben. Die Aufmerksamkeit der Anleger gilt dabei aber vor allem den Konjunktur- und Inflationsprognosen sowie der Pressekonferenz, auf der die Fed ein weiterhin gem√§chliches Zinserh√∂hungstempo in Aussicht stellen wird.

In der Eurozone signalisieren die Einkaufsmanagerindices f√ľr das Verarbeitende Gewerbe eine nur langsame zyklische Konjunkturerholung, die gem√§√ü schwachen Preisdaten f√ľr November aber nicht zur nachhaltigen Inflationsbeschleunigung taugt. Zudem haben Anleger ein Auge auf die weiteren politischen Entwicklungen in Italien.

In Deutschland setzen die ZEW Konjunkturerwartungen ihren Aufwärtstrend fort.

Der Autor dieses Artikels ist Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG. - www.bondboard.de

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Die Baader Bank AG ist eine der f√ľhrenden Investmentbanken f√ľr die DACH-Region (Deutschland, √Ėsterreich, Schweiz) und Marktf√ľhrer im Handel von Finanzinstrumenten.
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Herausgeber:
Baader Bank AG
Weihenstephaner Str. 4
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Deutschland
www.baaderbank.de

Redaktion:
Robert Halver,
Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank AG
Marc Schlömer, Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG

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