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Alternative Bio-Investments und Natural-Dividenden: Was Zukunft hat!

Armin Brack - Indizes - 08.07.2015

Lieber Geldanleger, im Rahmen eines Specials in meiner Premium-Publikation Trend-Trader habe ich mich damit besch√§ftigt, wie sich Aktien und andere Anlageklassen in fr√ľheren Krisenzeiten verhalten haben, z.B. w√§hrend bzw. nach W√§hrungsreformen (hier abrufbar: www.trend-trader.de).

Dabei ist mir noch klarer geworden, dass es mit herkömmlichen Anlage(klasse)n nur sehr bedingt einen wirklichen Vermögensschutz vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems geben kann.

Sollte es in Deutschland irgendwann mal soweit kommen, dass die Banken - wie in Griechenland - in Folge einer schweren Finanzkrise geschlossen bleiben m√ľssen (und so weit waren wir ja 2008/2009 nicht mehr davon entfernt), w√§re es von gro√üem Vorteil, wenn man sich als B√ľrger zumindest teilweise autark vom normalen Geld-Kreislauf mit Nahrungsmitteln versorgen k√∂nnte.

Bei meinen Recherchen bin ich auf interessante Konzepte gesto√üen, die - ganz unabh√§ngig vom Zustand des Finanzsystems - die Umwelt sch√ľtzen, lokalen Biobauern Kredite f√ľr Investitionen zur Verf√ľgung stellen und noch dazu im Trend liegen.

SoLaWi = Solidarische Landwirtschaft

In der solidarischen Landwirtschaft tragen mehrere Privat-Haushalte die Kosten eines landwirtschaftlichen Betriebs, wof√ľr sie im Gegenzug dessen Ernteertrag erhalten. Durch den pers√∂nlichen Bezug zueinander erfahren sowohl die Erzeugerinnen als auch die Konsumentinnen die vielf√§ltigen Vorteile einer nicht-industriellen, marktunabh√§ngigen Landwirtschaft.

Der Buschberghof in Schleswig-Holstein war 1988 der erste seiner Art in Deutschland und leistete lange auf eigene Faust Pionierarbeit. Inzwischen gibt es das Konzept auf der ganzen Welt, international bekannt unter dem K√ľrzel CSA f√ľr Community Supported Agriculture.

Betriebskosten werden von den Mitgliedern der Wirtschaftsgemeinschaft finanziert, die daf√ľr im Gegenzug die gesamte Produktion des Hofs erhalten. Kurz: Es wird nicht mehr f√ľr Lebensmittel bezahlt, sondern f√ľr die Bewirtschaftung des Hofs. "Wir nehmen den Lebensmitteln ihren Preis und geben ihnen so ihren Wert zur√ľck", bringen Anh√§nger die Idee dahinter auf den Punkt.

SoLaWi ist ein Statement gegen Massentierhaltung, gegen Monokulturen und die Vernichtung von Lebensmitteln und f√ľr eine vielf√§ltige, naturnahe Landwirtschaft. Produziert werden z.B. Brot, Butter, Joghurt, K√§se, Gem√ľse, Salat, Fleisch, Eier. Die Lebensmittel werden h√§ufig auf Wunsch auch frei Haus geliefert, z.B. via Gem√ľsekiste oder wohnnah in entsprechenden Depots zur Abholung gelagert.

Viele Betriebe haben das Demeter-√Ėkosiegel, alles Tierfutter wird selbst angebaut, der Mist dient als D√ľnger f√ľr die Pflanzen etc. Bedrohte Haustierrassen (wie z.B. das Angler Rotvieh) werden nachgez√ľchtet. Die Arbeit teilen sich auf den H√∂fen mehrere Landwirte, so dass auch die M√∂glichkeit besteht, Urlaub zu machen. Ein modernes Konzept!

Erst nach zehn Jahren, 1998, kam der zweite SoLaWi-Hof in Deutschland dazu, seit etwa f√ľnf Jahren explodiert die Zahl aber. Da wurden die Globalisierungsgegner Attac auf das anthroposophisch gepr√§gte Konzept (Arbeit wird hier h√§ufig mit Sozialtherapie kombiniert, z.B. Eingliederung von Behinderten etc.) aufmerksam und r√ľhrten kr√§ftig die Werbetrommel.

Im Herbst 2013 stellte eine soziologische Studie der Universit√§t Frankfurt fest, dass nur noch die H√§lfte der damals 39 SoLaWi-Betriebe einen anthroposophischen Hintergrund habe. Inzwischen gibt es bereits √ľber 80 H√∂fe und √ľber 90 neue Initiativen wollen demn√§chst starten. Hier gibt es eine √úbersicht.

Wie läuft das konkret? Beim Buschberghof liegt das Jahresbudget aktuell bei gut 360.000 Euro, die 95 Haushalte mit rund 300 Menschen aufbringen. Die Mitglieder zahlen im Schnitt etwa 100 Euro pro Person im Monat oder 330 Euro pro Familie.

Dabei zahlt aber jeder nur soviel wie er aufbringen kann. Dennoch gelang bisher in jedem Jahr die Deckung des Etats. Häufig beteiligen sich die Mitglieder auch an Mitmachtagen, organisieren gemeinsame Feste u.ä.

Auch im Ausland gewinnt der Trend an Fahrt: In den USA gibt es inzwischen bereits rund 12.000(!) solcher H√∂fe. Einer der Pioniere ist dort Trauger Groh, der das Konzept 1998 mit seinem in viele Sprachen √ľbersetzten Buch "Farms of Tomorrow" bekannt gemacht hat. Auch Frankreich und sogar Japan ziehen inzwischen nach.

Eine Geldanlage im eigentlichen Sinn ist das Ganze nat√ľrlich nicht, weil ja kein Geld zur√ľckflie√üt, daf√ľr aber eine Investition in eine lebenswerte Umwelt und gesunde Ern√§hrung zum Wohle des eigenen K√∂rpers.

Food Funding

Johannes Tschesche und seine Frau Monika Elias, die √ľber die Plattform www.erzeugerwelt.de bisher Direktvermarkter von Lebensmitteln und deren Kunden vernetzen, wollen das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft ins Digital- bzw. Projektzeitalter hieven.

Dabei investieren Interessierte ihr Geld nicht mehr direkt in einen Hof oder eine Produktionsst√§tte, sondern in ein bestimmtes Projekt, den Produktanbau selbst quasi. Das kann beispielsweise die Herstellung einer bestimmten Menge Fleisch, Wurst, Wein, K√§se oder Honig sein. Die zu investierende Summe soll pro Person bei 50 bis 250 Euro liegen, die vom Erzeuger f√ľr Saatgut, Weinreben und Betriebsmittel eingesetzt werden.

Die "R√ľckzahlung" erfolgt wie bei der SoLaWi zu 100 Prozent in Naturalien. Foodfunding nennt sich das Ganze und bereits in wenigen Wochen will die Plattform die ersten Bauern an den Start bringen. Vertreten sein werden dann u.a. Orangenbaumz√ľchter, Imker und Garnelenz√ľchter.

Die Idee ist ohne Zweifel spannend und verbindet die Vorteile der SoLaWi mit einem modernen digitalen Vermarktungskonzept, das sich zu einem Trend entwickeln könnte.

Regionale Wirtschaftsgemeinschaften als kommerzielle AGs

Unterst√ľtzt wird Erzeugerwelt.de von der B√ľrgeraktiengesellschaft Regionalwert AG aus Emmendingen bei Freiburg.

B√ľrger k√∂nnen sich mit eigenem Kapital direkt an der Gesellschaft beteiligen und damit in die Wertsch√∂pfungskette des √Ėko-Landbaus in der Region investieren.

Die Erzeuger nutzen das Kapital f√ľr Hof√ľbergaben, Landk√§ufe und Investitionen in Betriebsmittel. Dabei wird innerhalb der Wertsch√∂pfungskette eine faire Verteilung der Ertragschancen zwischen Erzeugern, Verarbeitern und dem Handel angestrebt.

Ziel dieser AG ist nicht die Renditemaximierung, sondern die Sicherung der Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität, von bäuerlichen Strukturen und Versorgungs-Netzwerken sowie von Qualifikationen, Arbeitsplätzen und Einkommen.

Das Projekt ist bisher eine Erfolgsgeschichte. Das Grundkapital wurde Ende Januar erneut um 739.000 Euro erh√∂ht und liegt inzwischen bei 2,97 Millionen Euro. Es wurde in 19 Unternehmen der regionalen √∂kologischen Land- und Regionalwirtschaft investiert, darunter auch in etliche Existenzgr√ľnder, die ohne das Kapital der Regionalwert AG ihren Betrieb nicht h√§tten gr√ľnden k√∂nnen. Allerdings gab es bisher keine Aussch√ľttungen in Form von Gelddividenden und bis auf eine Ausnahme wurden in jedem Jahr Verluste geschrieben.

Als reine Kapitalanlage ist das Ganze also nicht zu empfehlen bzw. nur f√ľr Investoren mit sehr langem Anlagehorizont. Die Verbraucherzentrale Baden-W√ľrttemberg r√§t entsprechend zur Vorsicht. Durch die anhaltenden Verluste ist das Unternehmen auf regelm√§√üige Kapitalzufuhren angewiesen, und f√ľr die braucht es Investoren.

Die Banken sind sehr zur√ľckhaltend, was Gr√ľnder Christian Hi√ü auch entsprechend bem√§ngelt: Die Kreditgew√§hrung der Banken sei an industrielle Ma√üst√§be angelehnt. Demnach ist das Verh√§ltnis von Investitionsbedarf zu sp√§terem Umsatz ung√ľnstig, so dass den Erzeugern als erste Wertsch√∂pfungsstufe das n√∂tige Startkapital meistens verwehrt bleibt. Genau dann springt die Regionalwert AG ein. Theoretisch existiert auch hier ein Insolvenzrisiko.

Dass trotzdem neues Geld eingesammelt werden konnte und die Regionalwert AG somit weiter expandieren kann, zeigt aber auch dass in der Bevölkerung ein Umdenken einsetzt und nicht mehr nur die Profitmaximierung bei Investments im Mittelpunkt steht.

Hi√ü ist so oder so zuversichtlich, dass das Unternehmen mittelfristig in die Gewinnzone kommen wird. Viele Unternehmen sind erst seit weniger als f√ľnf Jahren dabei und m√ľssen sich zun√§chst noch entwickeln. √úber 500 Menschen sind inzwischen bereits Aktion√§re der Regionalwert AG, √ľberwiegend sind es Freiburger.

Er ist mehr denn je von der Zukunftsf√§higkeit des Modells √ľberzeugt: "Biolandbau steht zunehmend auch f√ľr Handlungsf√§higkeit und Eigenst√§ndigkeit des Landwirtes anstelle der Abh√§ngigkeit von monopolistischen Gro√ükonzernen und deren Produkten.

Wenn sich k√ľnftig die Nebenkosten, die durch konventionellen Landbau entstehen, in den Preisen der Produkte widerspiegeln, werden Bio-Erzeugnisse auch preislich konkurrenzf√§hig sein", sagte Hi√ü am Rande der Feierlichkeiten zu 60 Jahren Bioanbau in seinem Heimatort Eichstetten.

Dennoch ist hier etwas in Gang gekommen und inzwischen gibt es auch Regionalwert AGs in Hamburg, der Region Isar-Inn und f√ľr den Herbst ist eine Neugr√ľndung f√ľr Nordrhein-Westfalen geplant.

Mir gef√§llt an dem Konzept, dass eine grunds√§tzliche Gewinnabsicht vorhanden, auch wenn diese nicht unbedingt im Vordergrund steht. Viel wird auch von den Marketing-Bem√ľhungen abh√§ngen damit es gelingt breitere Bev√∂lkerungsschichten von der Idee zu √ľberzeugen. Ist erst einmal eine kritische Masse an Menschen erreicht, k√∂nnte das Ganze zum Selbstl√§ufer werden. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Ackerhelden

Das Ganze passt irgendwie auch zum Trend hin zum R√ľckzug in den Nahbereich, der sich auch medial im Erfolg von Zeitschriften wie LandLust, Mein sch√∂nes Land, LandLiebe, LandIDEE usw. ausdr√ľckt. Auch wenn einerseits immer mehr Menschen vom Land in die Staat fl√ľchten, gibt es andererseits auch eine R√ľckbesinnung auf traditionelle Werte und Normen, altes Kunsthandwerk und heimische K√ľche.

Mit diesem Trend schwimmt auch ein erfolgreiches deutsches Start-Up, Ackerhelden. Auf der Seite kann jeder, der Lust dazu hat, f√ľr 50 Euro im Monat eine eigene Ackerparzelle in Biobodenqualit√§t mieten und dann selbst drauf los ackern. Das Ganze ist auch f√ľr Anf√§nger geeignet und artet nicht in Knochenarbeit aus.

Die Firma bestellt den Acker schon im Voraus. Rund 20 verschiedene Gem√ľsesorten sind bereits vorab eingepflanzt. Wer ein Ackerheld werden will, muss dann nur noch j√§ten, bew√§ssern - und ernten. Eine Rundum-sorglos-Beratung f√ľr alle, die Fragen haben, ist in Form einer digitalen Community inklusive.

Bereits mit wenigen Stunden Aufwand pro Woche lassen sich gute Ernteerfolge erzielen. Inzwischen gibt es die Ackerhelden an 18 Standorten jeweils im Dunstkreis gr√∂√üerer St√§dte. 2500 Leute ackern bereits mit. Die Gr√ľnder Birger Block und Tobias Paulert legen dabei beim Einpflanzen der Setzlinge noch selber Hand an.

Die Nachfrage ist groß. Immerhin durchschnittlich 13 Interessenten melden sich pro Tag. Das Problem besteht eher darin, ausreichend viele geeignete Ackerflächen zu bekommen. Auch Konkurrenz gibt es bereits, nämlich in Form des Bonner Start-Ups MeineErnte.

Beide Anbieter finanzieren sich bisher aus Eigenmitteln. Ackerhelden.de will Ende des Jahres den Sprung in die Profitabilität schaffen.

Urban Farming

Eine Mischung aus Bio und moderner Technik bieten die Berliner ECF Farmsystems. Aquaponik nennt sich die Technologie bei der Fischaufzucht und Gem√ľseanbau auf engem Raum innerhalb der Stadt miteinander kombiniert werden.

Das bei der Produktion von Ros√© Barsch mit N√§hrstoffen angereicherte Wasser wird in das Gew√§chshaus geleitet und versorgt dort die Pflanzen mit nat√ľrlichem D√ľnger. Durch diese lokale Produktion braucht es keine Transportwege und K√ľhlketten und ECF kommt ohne Pestizide, Antibiotika und Gentechnik aus.

Im angeschlossenen ECF Farmer¬īs Market k√∂nnen Kunden dann w√∂chentlich ihre frische Farmbox mit Gem√ľse abholen und ab Oktober 2015 auch frischen Fisch. Weitere Infos gibt es hier.

MEIN FAZIT:

Die vorgestellten Projekte taugen √ľberwiegend nur am Rande zur echten Geldanlage, zumal es Dividenden bzw. R√ľckfl√ľsse h√§ufig nur in Form von Naturalien gibt. Gerade die gesicherte Versorgung mit Nahrungsmitteln k√∂nnte aber in Krisenzeiten und im Falle eines Zusammenbruchs des Finanzsystems besonders wertvoll und wichtig werden.

In regionale Wirtschaftsgemeinschaften wie die Regionalwert AG k√∂nnen Sie dagegen auch gro√üe Betr√§ge investieren. Hier k√∂nnen Sie als Aktion√§r fr√ľher oder sp√§ter auch auf eine Dividende hoffen. Ob sich ein Investment aus reinen Renditegesichtspunkten lohnt ist zwar sehr fraglich, aber zumindest taugen Sie gut zur Diversifizierung ihres Depots und Sie unterst√ľtzen damit den Bio-Wirtschaftskreislauf der Region und letztlich auch die Versorgung mit gesunden, lokalen Bio-Lebensmitteln.


Hinweispflicht nach §34b WpHG: Die Geldanlage-Report-Redaktion ist zum Zeitpunkt des Publikmachens in den vorgestellten Projekten/AGs nicht involviert bzw. investiert. Es bestehen daher keine Interessenskonflikte. Die in diesem Artikel enthaltenen Angaben stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage w√ľnscht
Armin Brack
Chef-Redakteur Geldanlage-Report
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